Rezension: To the Moon (PC-Spiel)

John: "Wenn deine Operation bezahlt ist, wird noch genügend übrig sein. Also mach dir keine Sorgen."
River: "Notlüge. So nennt man das doch, oder nicht?" (ca. nach 70min)




Plattform: PC
Publisher: Freebird Games
Spielzeit: ca. 6 Stunden
Preis: 19,99€
Genre: Point&Click-Adventure





Worum geht's?
In Johns Welt können Ärzte künstliche Erinnerungen entstehen lassen. Dr.Watts und Dr. Rosalene versuchen den sterbenden John seinen letzten Wunsch, einen Mondbesuch, zu erfüllen, aber in den Wirren seiner Vergangenheit decken beide ein dramatisches Leben voller Liebe, Tragik und verdrängten Geheimnissen auf. Die Zeit läuft gegen die Doktoren, die sich am Ende entscheiden müssen, ob eine Erinnerungsänderung zumutbar ist.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Spiel gekommen?
Ich wollte ein Point&Click Adventure kaufen und habe dann dieses Spiel gefunden und war total von dieser dystopischen Idee der Erinnerungsmanipulation fasziniert, sodass ich es mitnahm.

Erwartungen an das Spiel?
Ein Spiel mit einer richtig guten Story, denn es hat laut Verpackung den "Gamespot - Best Story of 2011"-Award.

Erwartungen erfüllt?
Nun, es ist weniger ein Spiel, als eine visualisierte Geschichte, die es in sich hat.
Die Story ist sehr emotional und tricky, da man Johns Leben rückwärts betrachtet, von einer Erinnerung zur nächst früheren.
Ich wäre niemals auf das Ende gekommen und war sehr überrascht, wie ein Spiel derart mit meinen Gefühlen umspringen konnte.

Die konkreten Spielelemente sind sehr rar gesät: Man sucht Erinnerungsverbindungen, über die man eh stolpert und für einen Erinnerungssprung muss man ein sehr leichtes Minigame lösen. Vielmehr muss man sich durch tausende Dialoge klicken. Dennoch machte diese Art von Interaktivität doch einen gewissen Reiz aus, auch wenn das Spielgeschehen durchweg linear ist.
Hilfreich war die obige Zeitleiste, durch die man das ungefähre Lebensalter von John in der jeweiligen Erinnerung erahnen konnte.
Es ist eben ein Indiespiel, also kein Spiel von einer großen Spieleentwicklungsfirma, sondern ganz unabhängig von solchen, wurde es von sehr wenigen Personen programmiert.

Die Atmosphäre leidet etwas an der veralteten Grafik (Gameboy-Color-Niveau), da hätte ich mir bei wichtigen Szenen animierte Zeichnungen gewünscht, um die Gesichtsausdrücke zu sehen.
Wettgemacht wurde dieses Manko aber durch die Musikuntermalung, die es auf der zusätzlichen CD als Soundtrack gibt und sich insgesamt als extrem bereichernd auswirkte, denn so manchmal konnte ich eine Gänsehaut bei mir entdecken..

Der Plot ist sehr verstrickt und jedes Detail am Ende wichtig. Positiv fand ich, dass der Spieler mitdenken muss, denn einige Dinge werden nicht konkret gesagt, dafür aber mehrmals angedeutet.
Allein die Idee, dass man sterbenden Menschen deren Gedächtnis verändert, damit sie glücklich und zufrieden einschlafen können, finde ich interessant aber auch erschreckend.  Sind denn nicht auch negative Ereignisse in unserem Leben wertvoll?

Ich fand die Geschichte von Anfang an spannend und diese Spannung wurde durch die auftretenden Komplikationen auch noch verschärft.
Zudem muss man schon extrem abgebrüht sein, um nicht ein wenig neugierig auf Johns Leben zu werden.
Zugegeben, die Geschichte hatte auch ein wenig Kitsch in sich (neben den Riesenportionen Drama und Tragik), aber es war gutartiger Kitsch, der gekonnt eingesetzt wurde.

Die Charaktere sind sehr gelungen. Die agierenden Doktoren, die sich in Johns Gedächtnis auf die Reise machen, lockern durch ihre freundschaftlichen Sticheleien und Anspielungen auf Serien und Animes das eher melancholische Leben von John ungemein auf.
John und River haben ein realistisches Leben hinter sich, mit Höhen und Tiefen. Deshalb ging es mir sehr nahe, als aufgelöst wurde, warum sich River so merkwürdig verhielt und warum John eigentlich zum Mond will. Es war das erste Mal, dass ich wegen einem Computerspiel geweint habe.

Gern hätte ich dieses Spiel als Buch, um es einmal in Ruhe zu lesen, so war ich irgendwie süchtig danach, zügig zu klicken, damit ich immer weiter und weiter in Johns Vergangenheit dringen konnte.

Gleich danach habe ich nach einem Let´s Play (Youtubevideos vom kompletten Spielverlauf) gesucht und ein wirklich gutes, abgeschlossenes gefunden und auch gesehen: http://www.youtube.com/watch?v=6KAqXiv1eZ8&list=SP52470355D729D662&feature=plcp

Fazit
Mal ein etwas anderes "Buch", mit einer faszinierenden Story, wunderbaren Dialogen, Spannung, Humor und dazu fulminante Musik.
Für das Setting vergebe ich eine Regalebene, für den Plot herausragende zwei Regalbretter und für die Charaktere ein Brett. Einen Zusatzpunkt vergebe ich für die Interaktivität, den beigelegten Soundtrack, die Idee und meine geflossenen Tränen.
Empfehlenswert

Beitrag von Egoliquida

Kommentare:

  1. Das klingt echt gut :o ich liebe ja so PC Spiele mit guter Story. Wobei man die leider nicht mehr allzu oft findet... das letzte Spiel was mir glaub ich in dem Sinne gefallen hat war "The longest Journey" :)

    To the Moon werd ich mir definitiv mal näher ansehen ;D

    Achja, schöne Rezi - muss ja auch mal in den Raum geschmissen werden.

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    1. Das vorletzte Spiel mit guter Story war bei mir "Syberia".

      Ich finde es echt schade, dass es so wenige Games mit guter Story gibt. Was nützt mir die tolle High-End-Grafik, wenn ich nicht gefühlsmäßig im Geschehen bin?

      Ich werde mir "The longest Journey" mal anschauen. Danke für den Tipp und das Lob. :)

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  2. Hey du :)

    hab hier was für dich:
    http://laris-buecherkiste.blogspot.de/2012/09/award.html

    LG
    Larissa

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  3. Hallo,
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  4. ich finde deinen Blog total süß
    würde mich über einen gegenbesuch freuen
    Lg
    Ally
    http://www.allys-wildebuecherwelt.blogspot.de/

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  5. Bisher habe ich noch keine Spiele-Rezensionen gelesen und zur Zeit spiele ich auch seltener!
    Das Spiel hört sich aber sehr interessant an und ich glaube, das schaue ich mir mal näher an.

    Syberia fand ich übrigens auch sehr gut. Genauso wie Black Mirror oder Baphomets Fluch ;)

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  6. Hallo,
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  7. Hier schau mal für dich:D
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    LG
    Ally

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