Rezension: Lost Girl

"Ich bin Amarras Vater", unterbricht er mich leise. "Glaub mir, ich würde sie erkennen, wenn sie vor mir stünde" (S. 169)





Autor: Sangu Mandanna
Verlag: Ravensburger
Seiten: 437
Preis: 16,99€ (gebunden)
Reihe: Einzelband





Worum geht's?
Eva wurde erschaffen, um beim Ableben von Amarra diese zu ersetzen. Deshalb muss sie alles lernen, essen und lieben, was auch Amarra lernt, isst und liebt. Denn Eva ist als Echo nur eine Kopie des Originals und nur als solche hat sie die Berechtigung zu leben. Doch nicht nur ihre Erschaffer können ihr Leben, wenn sie die Regeln bricht, jäh beenden, denn zusätzlich gibt es noch die Jäger auf diese Kopien, denn die Erschaffung eines Echos ist nicht in jedem Land legal.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Vor langer Zeit war ich auf Dystopien-die-ich-vorbestellen-kann-Suche und "Lost Girl" musste ich einfach bestellen, denn ich versprach mir mal einen völlig anderen Weltentwurf.

Erwartungen an das Buch?
Einfach eine spannende Dystopie, die nicht nur auf ein autoritäres System abzielt.

Erwartungen erfüllt?

Ich finde, es gab keinen Weltentwurf, sondern nur eine einzige Idee, die das Ziel hatte, dass ich durchgehend in Trauer und Mitgefühl versank.
Es ist bedrückend und traurig, wie Eva ihre Individualität jederzeit unterdrücken muss, denn sie ist weder eine seelenlose Hülle, noch ein Monster. Das wird beim langsamen und ausführlichen Einstieg in die Geschichte deutlich beschrieben.

Dann kam der Abschied von ihren Vormündern, welche sie zu Amarra erzogen hatten, um in eine Familie zu gehen, die trauerte, bzw. zwanghaft versuchte in ihr die verstorbene Tochter zu sehen.
Der Verlust eines geliebten Kindes bzw. einer geliebten Schwester oder Freundin ist im Mittelteil omnipräsent und sehr emotional dargestellt.
Auch die kläglichen Bemühungen von Eva, Amarra zu ersetzen und sich fast vollständig aufzugeben, sind sehr tragisch.
Als kleinen Bonus gab es noch eine unerfüllte, da verbotene, Liebe.
Zum Ende hin habe ich echt geweint, denn das war alles derart ungerecht und bedrohlich.

Leider gab es neben dieser einfühlsamen Story auch Schwachpunkte. Zum einen wäre da die obligatorische Flucht und zum anderen das mäßige Ende.
Enttäuscht bin ich zudem von der Idee der Echoerschaffung, denn hundertfach werden gruselige Andeutungen gemacht, von wegen Knochen vom Friedhof etc., aber schlussendlich wird nichts aufgeklärt. Wenn ich das nicht durch Tinas Rezension gewusst hätte, wäre ich richtig sauer gewesen, so war ich vorgewarnt und konnte meine Neugier bremsen, die trotzdem entfacht wurde. Leider war die Sache so ein einziges verschenktes Potenzial und eine Irreführung des Lesers.


Fazit
Zum Setting: Die Geschichte spielt in zwei Orten, England und Indien, die ich aber nicht lebhaft vor meinen Augen hatte. Es ist kein Buch, welches von den Schauplätzen lebt und auch die Atmosphäre war nicht dadurch begründet, deshalb vergebe ich dafür keine Regalebene. Ich fand es schade, dass es keine wirkliche Zukunftsvision der Welt gab, bzw, diese sich ausschließlich auf die Echos beschränkte.

Der Plot war sehr emotional und ich klebte an den Seiten, denn es gab so eine Art stete Bedrohung durch die Erschaffer der Echos, die mich fesselte. Auch die angesprochenen Themen Selbstfindung, Lebenswille, Fremdbestimmung und Verlust wurden sehr einfühlsam beschrieben, sodass ich dafür zwei Regalebenen vergebe, auch wenn er Schwächen hatte.

Die Charaktere waren solide. Man konnte mit Eva mitfühlen und auch die Nebenfiguren hatten ihre Eigenarten. Die Antagonisten waren mir persönlich aber zu eindimensional, deshalb gibt es dafür nur ein Regalbrett.

Eine zusätzliche Regalebene verdient der absolut tiefe Emotionen weckende und atmosphärische Schreibstil.

Insgesamt ist es für mich ein gutes Buch, das mich mitgenommen hat, welches ich aber wahrscheinlich nie wieder lesen werde, denn es war für mich eine Achterbahn (steil nach unten) der Gefühle und wenn ich die zu oft benutzen würde, könnte ich Depressionen bekommen.^^

Unterhaltsam

Beitrag von Egoliquida

Kommentare:

  1. Mir wurde das Buch gerade heute von Amazon empfohlen und es ist auch sofort auf meinem Wunschzettel gelandet.

    Nach deiner Rezension rutscht das Buch jetzt auf jeden Fall weit nach oben...

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    1. Das freut mich richtig und lege dir am besten Taschentücher bereit. :)

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  2. Ui schön, ich freu mich total dass es dir gefallen hat! Ich hoffe wirklich, dass nicht allzu viele mit der Erwartung an eine "spannende" Dystopie oder ähnliches gehen. Denn wie du ja auch gemerkt hast, es geht eigentlich in eine ganz andere Richtung.

    Mit der Erschaffung der Echos fand ich auch enttäuschend. Aber wenn man darüber nachdenkt, hätte die Autorin einen einzigen glaubhaften Erschaffungsweg beschreiben können, der glaubhaft und nicht lächerlich wirkt? So bleibt es als Mysterium, wie auch diese Schöpfer ein Mysterium sind.

    Mir ging es aber auch so, der recht "erzwungene" Fluchtteil hat mich sehr lange darüber nachdenken lassen, ob es nun 4 oder 5 Sterne werden. Im ganzen Jahr haben mit Lost Girl um die 6 Bücher, meine Höchstwertung bekommen und ich denke auch zu Recht. So viele Emotionen, hatte auch "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" für mich nicht parat. Bei John Greens Buch war ich voll auf die Trauer eingestellt, "Lost Girl" hat mich einfach nur umgehauen!

    Tolle Rezi von dir und ich hoffe, es werden noch viele mehr dieses Buch lesen!

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    1. Nun ja, ich hätte mir eher die Erklärung "Klonen von Menschen" gewünscht, denn dadurch wäre noch deutlicher herausgekommen, dass die Seele sich nicht klonen lässt. Danke für deine Vorwarnung, du hast mir das Buch gerettet. ;)

      Der Fluchtteil hätte für mich auch komplett wegfallen können.

      "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" beende ich gerade und kann leider mit dem Hype nicht mitgehen. Ja, da drin sind manche schlaue und manche traurige Sätze, aber irgendetwas mangelt dem Buch.
      Irgendwie kommen bei mir die Trauergefühle nur so dumpf an und ich bin leider nicht so sehr wie gewünscht mitgerissen. Diese Liebesgeschichte war mir auch so holterdiepolter, zwar wesentlich besser geschrieben als sonst im Jugendbuchbereich, aber mir war es dennoch zu schnell.

      Ich hoffe auch, dass sich nicht alle von dem eher kargen Cover abschrecken lassen, denn "Lost Girl" ist wirklich gut.

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  3. Hallo,
    ich wollte mir das Buch auch kaufen, aber ich glaube, dass es mich zu sehr runterziehen würde.
    Ich bin gerade übrigens Leserin bei dir geworden :)
    Vielleicht hast du ja auch Lust mal bei mir vorbeizuschauen ;)

    Alles Liebe Marcia ♥

    http://www.teabooksandfairytales.blogspot.com

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  4. Hey,
    ich hab euch einen Award verliehen. Ich hoffe ihr nehmt ihn an :)
    http://morriganneverendingwonderland.blogspot.de/2012/09/die-meisten-haben-es-vermutlich-schon.html#comment-form

    LG Maggi

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  5. Ich bekomme das Buch von BdB und bin schon ganz gespannt :)

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  6. Ich muss mich mal eben ganz postunabhängig bedanken. Ich hab vorhin Bouqueens Beitrag über ihre geplanten Blogvorstellungen gelesen und die Kommentare eigentlich nur überflogen, bis ich an deinem längeren hängen blieb. Ich glaub, ich muss meine Überraschung nicht erklären, als ich da auf einmal die Adresse zu meinem Blog erwähnt fand. :')
    Ich wollt nur sagen, dass es mich wahnsinnig freut, dass dir die Rezensionen so gefallen! Und natürlich auch vielen lieben Dank für die Erwähnung und ohnehin für's Lesen. So unerwartet über sowas zu stolpern, versüßt einem ja doch mehr als alles andere den Tag. Also danke!

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    1. Ach, ich bin einfach immer so glücklich einen Blog zu finden, bei dem ich Rezensionen finde, die meinen Verstand und mein Gefühl gleichzeitig sehr ansprechen.^^
      Ich kann dir wirklich dafür nur Lob aussprechen, einfach danke dafür, dass du so viel Zeit investiert, so ausführliche und daher ansprechende Rezensionen zu schreiben.
      Hey, ich freue mich richtig dir eine Freude gemacht zu haben.:D

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    2. Ich hab grad das Bedürfnis mich drölfzigtausendmal zu bedanken, hach. xD Da bleiben mir ja fast die Worte weg. :)
      Bin aber auch froh, dass ich so mal auf deinen Blog gestoßen bin - mein Feedreader ist sowas wie die Raupe Nimmersatt. *lach*

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    3. Das kenne ich. Leider sind 120 noch zu lesende (bzw. zu überfliegende) Beiträge für mich dadurch keine Seltenheit.^^

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