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Rezension: Cocoon - Die Lichtfängerin

"Ich weiß, dass die goldenen Lichtbänder die Zeit sind, und wenn ich mich stark genug auf die Wahrnehmung des Gewebes um mich herum konzentriere, sehe ich sie vorbeifließen und Stränge bilden." (S. 78)




Autor: Gennifer Albin
Verlag: INK
Seiten: 360
Preis: 17,99€ (gebunden)
Reihe: 1. Band von 3





Worum geht's?
Adelice wird von ihren Eltern trainiert ihr Talent, das Weben und dadurch Verändern der Substanz der Welt, zu verbergen, denn wenn man als Webjungfer einberufen wurde, kommt man nie wieder zurück.
Nachdem es doch passiert versucht sie aus der Gefangenschaft zu entkommen und ihre Schwester zu retten.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Wie so oft war ich auf Goodreads unterwegs und fahndete nach guten Dystopien.

Erwartungen an das Buch?
Eine Dystopie mit einer interessanten Welt.

Erwartungen erfüllt?
Dieses Buch ist für mich schwierig zu bewerten, denn ich bin jemand dem das völlig innovative Weltenerschaffen in Büchern besonders am Herzen liegt und in "Cocoon" habe ich etwas gefunden was wirklich einzigartig neu und gleichzeitig ästhetisch war. Eine Welt, wo jeder Mensch und jedes Ding gewoben wird und man u.a. durch Abtrennen von Fäden ganze Landstriche und Personen verschwinden lassen kann.

Aber wenn ich von der wunderschönen Idee (die gut umgesetzt wurde) absehe, entdeckte ich ein typisches autoritäres System mit einer Protagonistin, die außer ihren ständigen schnippischen (nicht sarkastischen, sondern nervigen) Kommentaren, sich nicht vom Durchschnitt abhob... leider. Tatsächlich habe ich nicht verstanden, was sie überhaupt davon abhält mal ihre Fertigkeiten zu trainieren und damit mal was Anständiges zu fabrizieren.
Die Frau wurde eingesperrt, gefoltert und manipuliert hatte aber den Kampfgeist einer hohlen Nuss, obwohl sie mit ihren Fähigkeiten (die ihr bewusst waren) die Welt, die Substanz dessen aus dem alles besteht (sogar die Zeit), verändern kann. Große Klappe nichts dahinter, das repräsentierte sie in Vollkommenheit, bis ihr kurz vor Schluss doch einfiel, dass ihre Begabung nützlich ist.

Auch die zahlreichen Nebenfiguren sind erschreckend blass, ob das nun die Gegenspieler oder der Liebhaber ist. Tatsächlich waren sie dumpfe Marionetten ohne Motive. Ich meine hunderte Frauen "Webjungfern" lassen sich mit Kleidern, Schminke und gutem Essen dazu verführen, ihr ganzes Leben lang nur zu weben? Sie dürfen keine Männer haben, sie dürfen ihre Eltern nicht sehen, sie sind für immer eingesperrt und da gibt es keine die aktiv rebelliert?
Einzig die Mentorin von Adelice und der Chefbutler Jost sind ein wenig individuell, da sie jeweils eine Art Hintergrundstory besitzen, obwohl ich da jetzt auch keine besonderen Charaktereigenschaften gesehen habe.

Mal abgesehen von der Webidee war das System sehr ähnlich dem von "Die Auswahl", die Regierung bestimmte alles, was man isst, wann man heiratet, welchen Beruf man bekommt usw. Ich mag solche Systeme, aber die Auswirkungen dieser Beschränkungen wurden zwar erwähnt, erreichten mich aber emotional zu keinem Zeitpunkt.

Die Emotionen allgemein kamen bei mir überhaupt nicht (!) an. Ich war zwar die ganze Zeit begierig darauf zu erfahren, was nun aus der Idee mit dem Weben und dem autoritären System gemacht wurde, aber die Schicksalsschläge die Adelice schon sehr früh im Buch erleidet und deren Trauer etc. sich durch das gesamte Buch zieht, konnte ich als Leser nicht nachvollziehen. Dabei wäre ich gerne mit in einem Strudel von Emotionen hineingezogen wurden, aber da war nichts. Kein Funke der übersprang.

Ich würde dieses Buch so gerne lieben. So gerne. Die Welt, die Idee fasziniert mich unendlich.

Aber der Plot war dafür auch zu ereignislos. Im Nachhinein passiert da nicht viel außer den ständigen Erkenntnissen, wie gut sie doch weben kann (und sich das unlogischerweise erst sehr sehr spät zu Nutze macht), welch vorlautes Mundwerk sie hat (X-Mal wäre sie theoretisch schon umgebracht worden), dass sie sich und andere in Gefahr bringt und das System wirklich richtig grotesk und böse ist (Ach?). Ach ja und ständig ist irgendjemand sauer auf sie und spinnt Intrigen...

Im Grunde konnte man das alles nicht Ernst nehmen, denn als Leser habe ich 2 und 2 zusammengezählt und da war es klar, dass sie ihr Wunderkind nicht umbringen würden.
Aber natürlich werden dann andere Foltermethoden angedroht, aber naja... dafür war das Buch dann auch schon zu weit fortgeschritten, um da noch spannend zu werden. Und das Ende war viel zu glatt und weichgespült.
Von meinem Abscheuthema Flucht wurde ich auch nicht verschont...
Ein Liebesdreieck gibt es auch, aber das hätte weitaus schlimmer sein können, sie entscheidet sich doch relativ klar für den einen.

Obwohl ich objektiv dem Buch eine schlechte Bewertung gebe, habe ich es aufgrund der Welt und den Ideen gemocht und verschlungen und ich werde wahrscheinlich auch die Fortsetzungen lesen.

Fazit
Eine Dystopie mit einer Idee vom Verweben der Realität, die mich fasziniert. Nur leider gesellten sich Pappfiguren und 08/15-Plot dazu.
Für die gute Idee vergebe ich zwei Regalebenen im Sinne des Settings.


Bescheiden

Beitrag von Egoliquida

Rezension: Lost Girl

"Ich bin Amarras Vater", unterbricht er mich leise. "Glaub mir, ich würde sie erkennen, wenn sie vor mir stünde" (S. 169)





Autor: Sangu Mandanna
Verlag: Ravensburger
Seiten: 437
Preis: 16,99€ (gebunden)
Reihe: Einzelband





Worum geht's?
Eva wurde erschaffen, um beim Ableben von Amarra diese zu ersetzen. Deshalb muss sie alles lernen, essen und lieben, was auch Amarra lernt, isst und liebt. Denn Eva ist als Echo nur eine Kopie des Originals und nur als solche hat sie die Berechtigung zu leben. Doch nicht nur ihre Erschaffer können ihr Leben, wenn sie die Regeln bricht, jäh beenden, denn zusätzlich gibt es noch die Jäger auf diese Kopien, denn die Erschaffung eines Echos ist nicht in jedem Land legal.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Vor langer Zeit war ich auf Dystopien-die-ich-vorbestellen-kann-Suche und "Lost Girl" musste ich einfach bestellen, denn ich versprach mir mal einen völlig anderen Weltentwurf.

Erwartungen an das Buch?
Einfach eine spannende Dystopie, die nicht nur auf ein autoritäres System abzielt.

Erwartungen erfüllt?

Ich finde, es gab keinen Weltentwurf, sondern nur eine einzige Idee, die das Ziel hatte, dass ich durchgehend in Trauer und Mitgefühl versank.
Es ist bedrückend und traurig, wie Eva ihre Individualität jederzeit unterdrücken muss, denn sie ist weder eine seelenlose Hülle, noch ein Monster. Das wird beim langsamen und ausführlichen Einstieg in die Geschichte deutlich beschrieben.

Dann kam der Abschied von ihren Vormündern, welche sie zu Amarra erzogen hatten, um in eine Familie zu gehen, die trauerte, bzw. zwanghaft versuchte in ihr die verstorbene Tochter zu sehen.
Der Verlust eines geliebten Kindes bzw. einer geliebten Schwester oder Freundin ist im Mittelteil omnipräsent und sehr emotional dargestellt.
Auch die kläglichen Bemühungen von Eva, Amarra zu ersetzen und sich fast vollständig aufzugeben, sind sehr tragisch.
Als kleinen Bonus gab es noch eine unerfüllte, da verbotene, Liebe.
Zum Ende hin habe ich echt geweint, denn das war alles derart ungerecht und bedrohlich.

Leider gab es neben dieser einfühlsamen Story auch Schwachpunkte. Zum einen wäre da die obligatorische Flucht und zum anderen das mäßige Ende.
Enttäuscht bin ich zudem von der Idee der Echoerschaffung, denn hundertfach werden gruselige Andeutungen gemacht, von wegen Knochen vom Friedhof etc., aber schlussendlich wird nichts aufgeklärt. Wenn ich das nicht durch Tinas Rezension gewusst hätte, wäre ich richtig sauer gewesen, so war ich vorgewarnt und konnte meine Neugier bremsen, die trotzdem entfacht wurde. Leider war die Sache so ein einziges verschenktes Potenzial und eine Irreführung des Lesers.


Fazit
Zum Setting: Die Geschichte spielt in zwei Orten, England und Indien, die ich aber nicht lebhaft vor meinen Augen hatte. Es ist kein Buch, welches von den Schauplätzen lebt und auch die Atmosphäre war nicht dadurch begründet, deshalb vergebe ich dafür keine Regalebene. Ich fand es schade, dass es keine wirkliche Zukunftsvision der Welt gab, bzw, diese sich ausschließlich auf die Echos beschränkte.

Der Plot war sehr emotional und ich klebte an den Seiten, denn es gab so eine Art stete Bedrohung durch die Erschaffer der Echos, die mich fesselte. Auch die angesprochenen Themen Selbstfindung, Lebenswille, Fremdbestimmung und Verlust wurden sehr einfühlsam beschrieben, sodass ich dafür zwei Regalebenen vergebe, auch wenn er Schwächen hatte.

Die Charaktere waren solide. Man konnte mit Eva mitfühlen und auch die Nebenfiguren hatten ihre Eigenarten. Die Antagonisten waren mir persönlich aber zu eindimensional, deshalb gibt es dafür nur ein Regalbrett.

Eine zusätzliche Regalebene verdient der absolut tiefe Emotionen weckende und atmosphärische Schreibstil.

Insgesamt ist es für mich ein gutes Buch, das mich mitgenommen hat, welches ich aber wahrscheinlich nie wieder lesen werde, denn es war für mich eine Achterbahn (steil nach unten) der Gefühle und wenn ich die zu oft benutzen würde, könnte ich Depressionen bekommen.^^

Unterhaltsam

Beitrag von Egoliquida

Rezension: Vollendet

"Ich hasse euch dafür, was ihr getan habt. Niemals vergebe ich euch. Aber als er endlich auf Seite zehn angelangt ist, schreibt er: Ich liebe euch. Euer ehemaliger Sohn Connor." (S. 145)





Autor: Neal Shusterman
Verlag: Sauerländer
Seiten: 429
Preis: 16,99€ (gebunden)
Reihe: 1. Band von 3





Worum geht's?
Im Gesetz steht, dass Kinder, deren Leben bis zum 13. Lebensjahr unantastbar ist, rückwirkend abgetrieben werden können. 
Dadurch stehen Connor, Risa und Lev stehen vor dem selben Problem: Sie sollen umgewandelt werden, d.h. ihr gesamter Körper wird auseinandergenommen, um dann als Organspende wiederverwendet zu werden.
Lebst du, wenn deine Einzelteile in anderen Menschen sind, oder bist du dann tot?

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich habe es unendlich oft in der englischen Originalversion (Unwind) gesehen und war drauf und dran es in besagter Ausgabe zu lesen, denn es wurde immer als außerordentlich gute Dystopie gehandelt. 
Aber ich war faul und es hat sich gelohnt zu warten. ;D

Erwartungen an das Buch?
Ich hatte immer Jugendliche im Krankenbett vor meinem geistigen Auge, die ungefähr solche Gespräche führen:
"Hm, ich frage mich, wann mein zweiter Arm ab ist und ich nicht mal mehr Karten spielen kann."
"Du hast Luxusprobleme, ich kann nicht mehr sehen!"

Erwartungen erfüllt?
Es hat nichts mit meinen Erwartungen zu tun.^^

Das Werk beginnt mit einer Flucht. Ist das nicht total... öde?
Muss denn wirklich in jeder Dystopie dieses Plotelement vorkommen? Zudem empfand ich den Start etwas holprig, denn ich konnte mich nicht sofort in Connor hineinfühlen.
Dann wechselte die Perspektive zu dem Waisenmädchen Risa, die ja, flüchtet.
Und was nun mit der dritten Perspektive, Lev, passiert, kann man sich nun ausrechnen.

Spannend wird es erst ab ca. der Hälfte, wenn diese elende Flucht ein Ende nahm.
Die Idee wo sie landen und die ganze Geschichte drumherum, ja auch die Protagonisten haben mich zu diesem Zeitpunkt dann mitgerissen.

Nach meinen Anfangsschwierigkeiten mit den drei Charakteren wuchsen zumindest die zwei Jungen, Connor und Lev, mir ans Herz. Risa war eben normal, ein vernünftiges Mädchen.
Lev, der zuerst die Umwandlung befürwortet, hatte Zeit bekommen, die in anderen Büchern viel geringer ausfällt, um diese Meinung zu revidieren.

Aspekte der Geschichte haben einleuchtend gezeigt, welche grauenvolle Ausmaße die Gesetze haben. Davon profitierte die Story ungemein.
Dazu werden lose Fäden vom eher mühseligen Beginn am Ende wieder aufgenommen, die zu wirklich guten Wendungen bzw. Überraschungen werden, dies hat mir sehr gefallen.
Daneben hatte ich auch sehr viele unterschiedlichste Emotionen und zum Nachdenken bin ich auch gekommen.

Ansprechend fand ich auch die bitterbösen Nebeninfos z.B.:
"Als sich seine Eltern scheiden ließen, entbrannte ein brutaler Kampf um das Sorgerecht für ihn. Zwei Jahre und sechs Gerichtstermine später war er immer noch nicht entschieden. Am Ende konnten sich sein Vater und seine Mutter nur darauf einigen, dass sie Hayden umwandeln lassen wollten, als dem anderen das Sorgerecht zuzubilligen."( S.133)

Ich würde persönlich nicht der Meinung sein, welche die Story vermittelt, wenn es z.B. um Gehirnspenden geht, aber interessant und erschreckend war diese Idee. Dennoch war mir dieser Seelen/Erinnerung im Körper-Aspekt ein bisschen zu grotesk. Meinem Weltbild entspricht es nicht und das machte es natürlich für mich etwas suspekt. Für das Buch als solches, war es natürlich der wirkungsvollste und eindrücklichste Weg.

Was mich gestört hat, war die Einseitigkeit des Settings. Warum sollte eine solche Gesellschaft sich nicht in noch weiteren Bereichen wandeln, bzw. war mir eh das zu sehr auf ein Thema eingeengt.

Fazit
Es ist keine Dystopie, die mich auf jeder Seite hundertprozentig überzeugt hat, dafür bei wesentlichen Ideen und Szenen umso mehr. Erst nach einigem Blättern wuchsen mir die Protagonisten ans Herz und der Plot wurde spannender, bis hin zu einem ergreifendem Schluss.
Die Grundidee ist interessant, füllt aber keine gesamte Gesellschaft meiner Meinung nach.
Es gibt bitterböse Dinge, aber diese eigentliche Härte ist nicht vollkommen, besonders beim Schluss kam es mir so vor, als ob der Autor diesen mit angezogener Handbremse schrieb.

Für den Plot vergebe ich zwei Regalbretter, denn für mich persönlich hat die zweite Hälfte der Geschichte mir enorm viel geboten. Das Setting ist für mich eine stabile Regalebene wert und die Protagonisten und Nebenfiguren hatten für mich das gewisse Etwas, das mir bei sehr vielen Büchern fehlt: Persönlichkeit und den Hauch von Seele.
Empfehlenswert

Beitrag von Egoliquida

Rezension: Waiting for you

"Und sagen uns alles, ohne etwas zu sagen." (S.270)




Verlag: Arena
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
Seiten: 298 
Autor: Susan Colasanti
Genre: Jugendroman








Worum geht's?
Marisa möchte unbedingt einen Freund, doch unerfreulicherweise entpuppt sich ihr Kumpel Nash als Verehrer und leider nicht der smarte Derek. Doch schon bald fragt auch dieser sie nach einem Date und Marisas Welt steht Kopf, was leider nicht nur an dem tollen Typen liegt. Hinzu kommt, dass Marisa von einer alten Krankheit eingeholt wird.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Reiner Cover- und Deckeltextkauf.

Erwartungen an das Buch?
Auf dem Cover steht "Eine Geschichte über die Liebe", ganz ehrlich also: Einen schnulzigen, oberflächlichen Jugendroman.

Erwartungen erfüllt?
*Trommelwirbel*...das Publikum hält gespannt die Luft an...NEIN!

Ich werde gar nichts groß zu diesem Buch sagen, das meiste steht im Fazit und die Beschreibung der Geschichte steht da oben.
Alles in allem las es sich eintönig und langsam. Meiner Meinung nach auch sehr schlecht, erst irgendwie ab der Mitte des Buchs wurde mir wieder bewusst, dass das Mädel Marisa heißt (nur ein Beispiel).

Des Weiteren war es eine ausgelutschte Story, die lediglich aufgepeppt wurde mit einer sehr normalen Jugendproblematik (familiär) und einer völlig absurden Dramatik (Krankheit). Ich möchte die Schwere dieser zwei Dinge gar nicht absprechen, aber hier war es einfach zu viel.

Dieses Buch las ich außerdem parallel zu "Nevermore" und beide Bücher zusammen haben mich ganz schön runtergezogen. Gott, war ich streckenweise schlecht drauf wegen diesen zwei Geschichten. Ok, eigentlich ist es ja ein gutes Zeichen, wenn Geschichten einen so mitreißen. Aber hier war es wegen blöder, trauriger Thematik, schlechten Schreibstil und Frust, dass ich dafür Geld ausgegeben habe...ARGH!
Lediglich ein Satz gefiel mir gut in diesem Buch und zwar derjenige, der da oben steht.

Und dafür, finde ich, habe ich das Buch noch sehr nett bewertet.

Das war's auch schon, weitere Informationen im Fazit.

Fazit
Die Geschichte hatte zwar durch Marisas Krankheit und ihrer aktuellen privaten Situation zwar eine gewisse Tiefe, aber die zieht einen selbst ganz schön mit hinunter. Ansonsten ist es eine flache, bereits hundertfach gelesene Geschichte. Für Plot und Setting gibt es genau null Regalbretter. Die Charaktere waren zwar klischeehaft und totaler Durschnitt, aber auch sowas muss man beschreiben können, darum gibt es dafür ein Regalbrett. Ein Extrapunkt erhält die Geschichte für die realistische Darstellung von Problematiken und Marisas Krankheit:

Bescheiden

Beitrag von R.S.

Rezension: The Selection

"What do you think my chances might be of finding a soul mate in the group of you?" 
(S. 187)



Verlag: HarperCollins
Preis: 7,60 € (Taschenbuchausgabe)
Seiten: 327
Autor: Kiera Cass
Genre: Dystopie
Reihe: 1. Teil einer Trilogie
Sprache: Englisch (Let's read it in english 1/10)




Worum geht's?
In einer Welt, in der die unteren Kasten hungern, ist "The Selection" die Chance einer jeden jungen Frau. Die ausgewählten Damen kämpfen um das Herz des Prinzen.
America verlässt dafür nicht nur ihre gewohnte Umgebung, sondern auch ihren (Ex)Freund.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?:
Ich bin ja sonst nicht der typische Cover-Käufer, aber eine Dystopie, die so schön aussieht, musste ich aber haben. Vorsichtshalber habe ich es aber nur in der Taschenbuchausgabe gekauft.

Erwartungen an das Buch:
Bei "The Selection" war Unmut eigentlich schon vorprogrammiert, denn ich hatte einige Rezensionen gelesen, die es als absolut oberflächlich beschrieben.
In etwa wie "Topmodel-Serie als Dystopie". Nun muss ich zugeben, dass ich nicht nur Dystopien mag, sondern auch die absolut oberflächliche Sendung "Germany's next Topmodel" mit der nervigen Moderatorin.
Mit wenigen Erwartungen stürzte ich mich ans Werk und war dennoch nicht gewappnet für diese desaströse "Dystopie".

Erwartungen erfüllt?
Das Dumme ist: Es will weder das eine noch das andere sein und am Ende ist es einfach gar nichts.

Als Dystopie verfehlt es seinen Sinn durch ein absolut undurchdachtes, bis völlig einseitiges Setting und eindimensionale wie widersprüchliche Charaktere.
Zum einen ist da der Prinz, der keine Ahnung hat, was in seinem eigenen Land vorgeht und von America aufgeklärt werden muss, aber andererseits wählt er ganz strategisch Favoriten aus, weil diese z.B. besondere Kontakte zu wichtigen Nachbarländer haben sollen.
Es kam mir so vor, als ob seine Intelligenz immer ein- und ausgeschaltet wurde, wie es der Autorin gerade passte.

Auch Americas (Ex)Freund ist in seinem Verhalten derart blöd und dadurch verletzend, dass er wunderbar zu der Protagonistin, das naive Dummchen mit dem riesen Herzen (immer um das Leben ihrer Kammerzofen bemüht), passt. Tatsächlich ist es America, die dem ganzen die Krone aufsetzt. Ständig wird sie als so "herzlich", "selbstlos" und "bescheiden" dargestellt, aber auf eine derart verquere Weise, dass gerade mir das Gegenteil wahrer vorkam.
Zum Beispiel gab es die Szene, wo sie etliche Glückwünsche annimmt und Autogramme gibt und den Lesern als so herzliches und einnehmendes Wesen dargestellt wird. Nur leider wird im Nebensatz erwähnt, dass die anderen Mädchen 20 Minuten auf sie warten mussten.
Oder ihr wirklich richtig armer Freund, der nicht mal genug zu Essen hat, schenkt ihr Geld und sie nimmt es an, obwohl sie davon weiß. Aber was gibt es denn schöneres, als solche Liebesbeweise, die auch noch so nett klimpern können?
Ich könnte ewig so weitermachen, aber dann würde ich zu viel spoilern.

Gut, als Dystopie ist die Idee einfach viel zu schwach, als eine Art Castingshow fällt es aber ebenso durch, da die Mädels nicht viel im Wettbewerb stehen, bzw. durch die eingeschränkte Perspektive von America man gar nicht mitbekommt, warum nun die anderen vom Prinzen rausgewählt werden. Dazu bekommt man nicht alle Namen der Damen gesagt, nur sehr wenige werden etwas näher vorgestellt, sind aber natürlich nur Klischees, da gibt es "die Gemeine" und "die nette Freundin" und "die Stille" etc.pp.
Gerade weil so wenige näher charakterisiert wurden, hätte man das besser lösen können.
Zudem empfand ich es als großes Manko, dass es so oberflächlich bzw. unrealistisch kritisch war.
Im Sinne von: Der Prinz hat sein ganzes Leben noch nie davon gehört, dass in seinem Land mit acht Kasten Hunger herrscht. Er ist natürlich derart entsetzt darüber, dass er sich gezwungen fühlt, zu helfen.
Diese Aktionen empfand ich als so merkwürdig gestelzt, die konnte ich einfach nicht Ernst nehmen.

Dennoch muss ich sagen, hatte das Werk einen gewissen Unterhaltungswert. Kennt ihr das, wenn ihr so richtig schlechte Schauspieler sieht und euch darüber schlapplachen könnt? So ging es mir mit Plot und Protagonisten jedenfalls. Das Setting ist einfach nicht der Rede wert; die Hintergrundgeschichte wird auf einer halben Seite abgehakt.
Doch ich muss sagen, ich habe befürchtet, dass ich in Kitsch ertrinken würde, von wegen "seine Augen sind grüner als die saftigste Wiese", aber das war nicht schlimmer, als in anderen Jugendbüchern.

Auch muss ich positiv anmerken, dass der Schreibstil schön einfach war, sodass jemand wie ich, die nie gut in Englisch war, gar keine Probleme hatte.

Fazit
Oberflächlicher Schmu, der Tiefgründigkeit vorheuchelt. Plot und Protagonisten sind lächerlich, ein wohldurchdachtes Setting ist nicht vorhanden. Unterhaltungswert durch Widersprüche und Klischee(charaktere) ist gegeben. Dieser ist auch das einzige Regalbrett, welches dieses Buch von mir erhält.

Trollbuch


Danach dachte ich, konnte es ja eigentlich nicht schlimmer werden, aber wartet einfach die nächste Kurzrezension meinerseits ab.

Beitrag von Egoliquida

Rezension: Nevermore


"Was auch immer jetzt passiert, bitte glaub mir, ich wollte nicht, dass es so endet."




Verlag: Loewe
Preis: 16,95 € (Broschiert)
Seiten: 558 Seiten
Autor: Kelly Creagh
Genre: Urban-Fantasy
Reihe: 1. Teil einer Trilogie





Worum geht's?
Isobel ist das Klischee einer HighSchool-Schülerin: Cheerleader, beliebt, blond und an einen Footballspieler vergeben. Als ein Schulprojekt ansteht, wird sie mit Varen, bekennender Goth, Außenseiter und komischer Kauz, in eine Gruppe gesteckt. Damit beginnt für Isobel ein Abenteuer zwischen Traum und Realität, dessen Auslöser Varen ist...

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich bin öfters in der Buchhandlung daran vorbeigeschlichen und fand das Cover sehr ansprechend. Alsdann hab ich den Titel durch die Suchmaschine geschickt und mich rezensionstechnisch darüber informiert. Heureka, was ich las, gefiel mir, also habe ich es gekauft.

Erwartungen an das Buch?
Es hieß, es sei streckenweise von Edgar Allen Poe inspiriert, also schraubte ich meine Erwartungen demnach was Schreibstil, Geschichte usw. anging sehr hoch.

Erwartungen erfüllt?
Yeha, ich habe es erstmal geschafft dieses Buch durchzulesen. Ich denke mal, jeder kennt diese langatmigen Stories, bei denen man irgendwann nicht mehr so recht damit zu Rande kommt und sich fast bis zur letzten Seite durchquält. Ja, so erging es mir auch streckenweise mit diesem Buch.

Natürlich spielt in diesem Buch wieder das Thema "Liebe" eine unschlagbare Rolle. Hier allerdings mal anders aufgegriffen. Der Hauptcharakter verliebt sich in den Außenseiter! Verrückt, und hierbei ist der Hauptcharakter mal ein Klischee ohne Ende. 
Auch sonst sind die Charaktere meiner Meinung nach eher durchschnittlich. Isobel besticht durch ihre Entsprechung als Klischee. Es fehlte bei ihr eigentlich nur noch Zickigkeit, aber das wurde ausgespart. Auch Varen ist ein typisch abgedrehter Typ mit Geheimnissen. 

Die Idee der Geschichte spricht mich an sich sehr an. Es geht um Träume und das diese zu grausigen Realität werden. Isobel wird in diese vertrackte Geschichte mit hineingezogen und erlebt grausige Dinge, die ihr auch bald in der Wirklichkeit begegnen. Streckenweise ist alles sehr abenteuerlich beschrieben.
Allerdings braucht die Story eine Weile, bis es los geht und man mitgerissen wird. Als erstes kämpft man sich eher durch ein normales Jugendbuch, erst so im zweiten Teil kommt Fantasy dazu.

Die Beziehung zwischen Varen und Isobel kam mir zu Beginn sehr abwegig vor, auch gegen Ende erschien es mir immer noch sehr skurril. Jedoch ist es sehr süß mitzuerleben, wie sich zwei so unterschiedliche Charaktere annähern.

Vermisst habe ich allerdings die Inspiration von Poe. Klar er wird permanent erwähnt und im Prolog spielt er ja auch anscheinend eine Rolle, aber ansonsten? Nada und Fehlanzeige. Sehr schade, aber vielleicht hab ich es ja einfach nur überlesen.
Das ganze Buch wirft auch sehr viele Fragen auf, die in diesem Teil gar nicht beantwortet werden, in keinster Weise. Macht Lust auf mehr. ;)

Fazit
Alles in allem hat mir das Buch gefallen. Man muss sich etwas durchkämpfen und es empfiehlt sich deshalb nicht als "NebenbeiEbenMalSo"- Buch, man muss sich schon darauf konzentrieren können. Aber einen tieferen Eindruck hat es nicht hinterlassen.
Zur Bewertung: Plot und Setting sind in Ordnung. Man kann sich hineinversetzen und alles in allem sind die Beschreibungen in sich geschlossen und logisch. Beide bekommen eine Regalebene. 
Die Charaktere bekommen gerade so mit ach und krach eine Regalbrett, aber nur deswegen, weil sie für gar keines doch zu gut sind. Macht also insgesamt drei Regalbretter ohne Extrapunkte.

Na ja, Geschmackssache


Beitrag von R.S.

Rezension: Welt aus Staub

"Die Kugel durchschlug Adams Fuß mitsamt den Dielenboden." (S. 62)





Verlag: Ueberreuter
Preis: 16,95 € (broschiert)
Seiten: 396
 Autor: Stephan R. Bellem
 Genre:  Dystopie
 Einzelband






Worum gehts?

Während die Prostituierte Tessa und die Schmugglerin Elaine, die nach noch lebenden Pflanzen sucht und sie verkauft, sich durchs Leben schlagen müssen, ist Sam als Ingenieur höher gestellt und plant eine oberirdische Plantage, die die Menschen endlich wieder die Pflanzen zurückbringen soll, welche allesamt von einem Pilz dahingerafft werden.
Als Sams Freund sich umbringt, stecken alle drei in einer einzigen Misere.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich habe es auf Blogs gesehen und in meiner "Ich lese nur noch Dystopien"-Zeit gekauft. Sehr lange habe ich es nicht gelesen, denn ich bin nicht der große Fan vom Schauplatz Wüste.

Erwartungen an das Buch?
Menschen wollen die Pflanzenwelt retten und suchen in der Wüste nach besonderen Exemplaren, oder so.^^
Ich hatte keine großen Vorstellungen, nur wusste ich, dass es vielleicht etwas rauer und brutaler zugehen könnte, da es eine Dystopie für Erwachsene ist.

Erwartungen erfüllt?
Es ist kein Buch, das in der Wüste spielt. Es ist überhaupt ganz anders geworden.

Zu Anfang hat mir das Buch gut gefallen.
Neugierig machte mich der Prolog und die verschiedene Perspektiven, von ganz unterschiedlichen und überhaupt nicht öden Protagonisten, begeisterten mich. 
Da gab es die knallharte Schmugglerin Elaine, die Männer umlegen muss, um Geschäfte zu machen.
Die Prostituierte Tessa, mit der ich in den ersten Szenen sehr mitfühlen konnte.
Sam, aus deren Sicht man auch mal die Oberschicht betrachten konnte.

Kleine Details aus der Megastadt, wie der Plastikparkettboden, welcher alle Woche mal nach Kiefer, mal nach Pinie roch, fand ich interessant.
Wie man am obigen Zitat erkennen kann, ist die Geschichte stellenweise sehr brutal, aber das passte zu dieser Zukunftsvision und hat mich nicht allzu sehr gestört.

Aber dann kam die Wende bzw. zusätzlich noch die Ernüchterung.

Aus einer Dystopie wird ein Kriminalfall.
Gut, das wäre noch zu verkraften gewesen, aber der barg für mich keine Überraschungen.
Da es nur einen sehr eingeschränkten Personenkreis gibt, bzw. die drei Erzähl-Perspektiven konnten es alle nicht sein, war mir von Anfang an klar, wer der Täter ist. Enttäuschend.
Zudem fand ich die "Beute", vollkommen unrealistisch, aber da würde ich leider zu viel spoilern.

Dann fand ich die Entwicklung von der Prostituierten Tessa merkwürdig. Sie hat jahrelang auf dem Strich gearbeitet, aber sie wurde nach den ersten guten Szenen als verschüchtertes Mädel dargestellt, das kaum einem Mann eine Pflanze verkaufen kann. Lächerlich.

Als ich dann auch noch mitbekommen habe, dass es auf der ganzen Welt (!) keine Pflanzen mehr geben soll, abgesehen von unterirdischen Plantagen, war die gesamte Zukunftsvision unglaubwürdig und ein schlechter Witz.
Überhaupt wurden Pflanzen im gesamten Buch nur als "Dekoobjekt" und "Duftspender", höchstens noch als "Nahrungszulieferer" wertgeschätzt. 
Dass Pflanzen unseren Sauerstoff produzieren, sie absolute Wasserspeicherungsanlagen sind, und es ohne sie  zu gigantischen täglichen Naturkatastrophen käme, wurde mit keinem Wort erwähnt.
Das hat mich tierisch verärgert! Das ist einfach, argh... der für mich größte Reinfall.
Seien wir doch mal ehrlich, wir atmen Sauerstoff und essen pflanzliche Produkte und Tiere, die wiederum  von pflanzlichen Stoffen ernährt werden. Wenn die Pflanzen sterben, stirbt alles, außer vielleicht Einzeller, oder so...

Zudem ist die Nahrung für die Bewohner sehr stark rationiert und was gibt es? Mais und Hühnchenfleisch.
Niemals, niemals würde man, wenn die Lebensmittelversorgung so am Ende ist, Fleisch produzieren. Denn mit der Menge an Mais, die die Hühner fressen, könnte man vielfach mehr Menschen versorgen, als mit dem kümmerlichen Endergebnis an Fleisch. Das ist die Energiepyramide! Hühner verbraten für ihren Stoffwechsel viel mehr Energie, als am Ende sie im Körper haben und verbrauchen auch noch eine Menge kostbares Wasser.

Deshalb sollten wir auch in der heutigen Zeit nicht jeden Tag Fleisch essen, da in anderen Ländern die Futterpflanzen als Lebensmittel gebraucht werden. Falls sie dort wirklich ankommen würden, aber das nur so am Rande...

Das ganze Dilemma bekam mit dem Schreibstil noch die Krone auf. Es wurde einfach zu viel gesagt, was man als Leser eh bemerkt, z.B. wenn Tessa mehrmals nur mit "Ja" antwortet, brauche ich keinen Hinweis, wie schrecklich monoton ihre Antworten sind, bzw. gab es Dutzende von Füllwörtern und Ergänzungen, wie: "offensichtlich", "scheinbar" etc.

Ach, und es gab einen Epilog, bei dem ich nur noch entnervt das Buch zuklappte.

Fazit
Eine recht spannende Dystopie mit teilweise netten Ideen, aber riesigen Logiklücken und wenigen Überraschungen.
Insgesamt vergebe ich für die Protagonisten ein Regalbrett und für den Anfang der Geschichte, bis zu dem Beginn des Kriminalfalls (ca. S.170) eine Regalebene. Das unglaubwürdige Setting bekommt kein Regalbrett.


Bescheiden


Beitrag von Egoliquida

Rezension: Schöne neue Welt

"Am anderen Ende des Saales war ein Lautsprecher angebracht. Der BUND ging zu ihm hin und drehte einen Knopf. "-tragen alle Grün", begann eine leise, ungemein klare Stimme mitten im Satz, "und Deltakinder tragen Khaki. Nein ich mag nicht mit Deltakindern spielen."(S.42)




Verlag: Fischer
Preis: 7,90 € (Taschenbuch)
Seiten: 253
 Autor: Aldous Huxley
 Genre: Utopie/Dystopie
 Einzelband





Worum gehts?

Menschen werden nur noch gezüchtet. Stolz ist man darauf, nicht nur ein Kind oder Zwillinge aus einem befruchteten Ei herzustellen, sondern Dutzendlinge. So können gleich bis zu 96 völlig identische Geschwister auf einmal entstehen und zusammen später, nach entsprechender Normung, in einer Fabrik arbeiten. 
Sigmund Marx, ein Mann der höchsten Kaste (Alpha-plus) ist einer von wenigen Bürgern, die überhaupt vom Staat mir der eingeschränkten Fähigkeit zum freien Willen ausgestattet wurden und fühlt sich zunehmend im System unwohl. Sein Leben ändert sich, als er den "Wilden" Michel in die Zivilisation einführt.


Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich hatte es in der Zeit, wo ich nur noch Dystopien las (26 Werke stehen in meinem Bücherregal^^), auf meinem rebuy-Wunschzettel gepackt und es schließlich kürzlich für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch mitsamt zehn anderen Büchern ergattert.

Erwartungen an das Buch?
Ich erwartete eine beunruhigende Dystopie, befürchtete aber wieder einen Flop, wie bei "Fahrenheit 451", das mich sehr enttäuschte.

Erwartungen erfüllt?
Übertroffen! :D
Huxleys Welt ist beunruhigend, bietet daneben sehr viel Tiefe, Ideenreichtum und zusätzlich noch Humor.

Während andere Jugenddystopien Horrorszenarien durch schockierende Brutalität erschaffen, ist Huxleys Zukunftsvision von einem ruhigen steten Grauen gekennzeichnet, das besonders wirkt, da die Ideen und Welten nicht weit hergeholt sind.

Es gibt mehrere Protagonisten, deren Perspektiven unregelmäßig wechseln und nicht gleichmäßig aufgeteilt sind. Überraschenderweise empfand ich das nicht als störend, sondern unumgänglich, um nicht nur eine eingeschränkte Sichtweise auf diese Utopie/Dystopie zu haben.
Schon bei den Namen bemerkt man Huxleys Schwäche für Anspielungen. Da die deutsche Übersetzung die gesamten Orts- und Personennamen eindeutscht, stimmen sie mit dem englischen Original (Brave New World) nicht überein, beinhalten aber dennoch deutliche Anspielungen: Sigmund Marx, Lenina Braun, Ford etc.

Überhaupt beinhaltet das Werk sehr viele Parodien bzw. satirische Momente, die ich lustig und gleichzeitig erschreckend fand, da die armen, in der "Flasche" (künstliche Brutstätte) entstandenen Menschen, ja gar nicht bzw. nur stark eingeschränkt die Fähigkeit besitzen, über die Dinge zu reflektieren, besonders da jeder eine Art Gehirnwäsche (Normung) siehe obiges Zitat bekommt. Ein Beispiel  dafür ist folgendes Tanzlied, das auf die Entstehung des Menschen in der Flasche anspielt und zu dem sich vierhundert Paare im Saal bewegen:

Von dir mein Fläschchen, träum ich
Tag und Nacht.
Warum hat man dich jemals
Aufgemacht?
Der Himmel war blau,
das Klima so lau,
Ich kenn keinen einzigen Ort,
Der mir besser gefällt
Als du, mein allersüßestes 
Fläschchen der Welt.
(S. 87)

Ich war in solchen grotesken Szenen immer zwischen lachen und entsetzt sein, denn der Umstand, dass sie vom Staat nach deren Wünschen produziert werden, hat natürlich seine negativen Folgen und ist an sich schrecklich.


Oder diese Szene aus der "Eintrachtsandacht":

Ford, wir sind zwölf, o mach uns eins
Wie Tropfen im Gemeinschaftsquell;
Laß laufen uns im Strom des Seins
Schnell wie dein 12-PS-Modell!
(S.91)


Die Geschichte hat mich gepackt, da sie so realistisch geschrieben ist, dass sie fast absurd merkwürdig wirkt. Allein die Sprache! Ständig rezitieren die Protagonisten und Nebenfiguren von den tief im Unterbewusstsein verankerten, tausendfach vom Band abgespulten, Lehrsätzen wie: "Ein Gramm versuchen, ist besser als fluchen!"(S.76 Anspielung auf eine schleichend giftige Glücksdroge) oder "Je bedrückter, je verstockter, desto nötiger der Doktor!"(S. 187)
Obwohl all das sehr eigenartig war, konnte ich mit den Menschen mitfühlen und vergebe für die Protagonisten, die alle echt und nicht plötzlich heldenhaft waren, eine Regalebene.

Die Story hat den Augenmerk, dieses System zu beschreiben. Da ich Zukunftsvisionen äußerst interessant finde, war das genau nach meinem Geschmack. Schon in "Die Auswahl" waren diese Beschreibungen der fremdartigen Welt meine Lieblingsszenen.
Besonders toll fand ich, dass Huxley nicht nur erzählt, welche Kuriositäten es in den verschiedenen Lebensbereichen (Freizeit, Arbeit, Sexualleben etc.) gibt, sondern sie auch richtig zeigt, sodass man diese sich auch lebhaft vorstellen konnte. Für das Setting gibt es deshalb auch herausragende zwei Regalbretter.

Inhaltstechnisch passiert nicht allzu viel, aber was passiert, besonders am Ende, hätte ich so nicht erwartet, glaube aber den tieferen Sinn dahinter zu erahnen und finde es deshalb ziemlich genial. :D
Dennoch hätte man den Plot viel weiter ausführen können und und ich vergebe daher eine solide Regalebene.
Es ist auf jeden Fall nicht der typische "Wir stürzen das System"-Plot.

Wie ich schon angesprochen habe, haben viele Dinge im Buch einen tieferen Sinn, sind geradezu philosophisch, und so etwas liebe ich, denn ich mag es, wenn ein Buch mich nachdenklich macht, ohne dass es mir eine Meinung aufzwingen will. Dafür gibt es einen Zusatzpunkt. Wie man an den vielen Zitaten erkennen kann, liebe ich den Humor in dem Buch, sodass es dafür auch eine zusätzliches Regalbrett gibt.

Fazit
Endlich eine Dystopie, die mich überzeugt hat!
Es gibt ein faszinierende und gleichzeitig verstörendes Zukunftsbild mit realistischen Protagonisten, die nicht plötzlich ein jahrhundertealtes System stürzen können. Zusätzlich bietet "Eine schöne Welt" viele Anregungen zum Nachdenken (z.B. wann sind Menschen glücklich? Ist ständiger Wissenszuwachs für ein Gesellschaft wirklich förderlich? Kritik an der Konsumgesellschaft) und das gewisse Etwas an satirischem Humor.
Summa Summarum vergebe ich für Plot und Protagonisten eine Regalebene. Für das völlig überzeugende Setting zwei und zusätzlich je eine für Humor und eine für die tiefgehenden Gedankenspiele.


Es gibt ein vollständig ausgefülltes Herz! Ein neues Lieblingsbuch für mich, das ich bald nochmal lesen muss, da ich nicht hundertprozentig alle Anspielungen verstanden haben kann, da es einfach viel zu viele sind.


Ohnegleichen


Kennt ihr weitere Dystopien bzw. Utopien die mir gefallen könnten? 

Gelesen habe ich: "Seelen", "Diktatur der Stille", "Hüter der Erinnerung", "Lauf gegen die Dunkelheit", "Bar Code Tattoo", "Fahrenheit 451", "Totentöchter", "Die Bestimmung", "Delirium", "Godspeed", "Starters", "Sternenfeuer", "Dark Canopy", "Worldshaker", "Der Report der Magd", "Zweiunddieselbe", "Der Pakt", "Das neue Buch Genesis", "Skinned", "Die Auswahl und Die Flucht", "Dustlands" und "Girl Parts-Auf Liebe programmiert", "Die Tribute von Panem 1-3".

Als E-Book habe ich gelesen :"The Sign- Nur zu deiner Sicherheit" und "Stadt der verschwundenen Kinder"+"Stadt der verlorenen Träume".


Beitrag von Egoliquida

Rezension: Faunblut

"Es geht nicht nur um die Echos. Sie denken, dass auch Menschen dahinterstecken."
"Attentäter?" Lilinn wurde blass. 
Jade schluckte. Es hatte in der Vergangenheit den einen oder anderen Aufstand gegeben, davon zeugten nicht zuletzt die Galgen am Richtplatz. (S.152)




Verlag: cbt
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
Seiten: 479
 Autor: Nina Blazon
 Genre: Fantasy
 Einzelband





Worum gehts?
Echos, aus deren Wunden Wasser, statt Blut strömt, kommen in die Stadt, die der vollkommenen Willkür ihrer Herrscherin ausgeliefert ist. Jade will rebellieren, aber der geheimnisvolle Faun, besetzt im Auftrag der Machthaberin das Hotel ihres Vaters mit Kisten, in denen geheimnisvolle Wesen ihr Unwesen treiben.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich habe es gewonnen! :D Nicy (Ohwhysosad) hat für ihre Abonnenten ein Gewinnspiel veranstaltet und ich hatte Glück. Sie ist meine Lieblingsyoutuberin und eine der wenigen, bei denen ich mich noch bei jedem neuen Video freue, denn jetzt wo ich in die Bloggerwelt eingetaucht bin, schätze ich ich die deutsche Buchyoutuberwelt immer weniger (aber das ist ein eigenes Thema). 


Erwartungen an das Buch?
Auf dem Rückentext stand u.a. "Jade und Faun - die Geschichte einer unmöglichen Liebe in einer Stadt am Rande der Zeit". Deshalb erwartete ich süßlichen Kitsch. Ein Mädchen verliebt sich in ein Fantasywesen, das ist unerlaubt etc.pp.


Erwartungen erfüllt?
Wer verfasst eigentlich solche Rückentexte? Dieser jedenfalls gibt den wahren Kern nur sehr schwammig wider. Mit einer  Stadt am Rande der Zeit ist eine einzigartig beschriebene Stadt, die von einer Diktatorin geführt wird, gleichzeitig Fantasywesen beinhaltet und einige politische Strukturen offenlegt, gemeint. Dazu gibt es nur manchmal Strom und ich hatte ein sehr angenehmes Mittelalterfeeling, obwohl es auch Fahrstühle gab.

Die Schauplätze sind wunderbar mit  klaren und wenigen Worten beschrieben und vor meinem geistigen Auge sehe ich z.B. das Hotel, mit seinen vielen Räumen, die zwar früher mal sehr edel waren und jetzt kaum ganze Fensterscheiben besitzen, welches Jades Vater mit einer Köchin betreibt, vor Augen. Besser kann man es wirklich nicht machen und deshalb vergebe ich für das wunderschöne und originelle Setting zwei Regalebenen.

So, genug mit der Lobhudelei, jetzt beginnt die Kritik.^^
Der Titel ist ziemlich irreführend, denn es geht um das Blut von Echos und das besteht ja aus Wasser. Echowasser klingt natürlich nicht so toll, wie Faunblut. ;)

Der Plot ist sehr aktionsreich, für meinen Geschmack sind viel zu viele Geschehnisse/wichtige Gespräche aneinander gereiht, ohne dass mal Ruhe einkehrt und der Protagonistin Zeit eingeräumt wird, ihre Entscheidungen zu rekapitulieren und den armen Leser zu begründen. Auch gute Ideen, besonders den Fantasyaspekt betreffend, werden kaum ausgeführt, obwohl sehr viel Potenzial dagewesen wäre.

Dazu die Hintergrundgeschichte. Es hat mich tierisch genervt, dass sehr viele Anstrengungen unternommen werden, um die Diktatorin zu stürzen, nur um unter Umständen einen anderen Herrscher ans Land zu ziehen, den keiner kennt. Aber man hat ja Hoffnungen, und so... -.-
Schon mal was von Demokratie gehört? Hmpf.
Dafür ein Regalbrett.

Protagonistin Jade blieb mir über den gesamten Verlauf des Buches merkwürdig fremd. Das mag zum Teil an der 3.Person-Perspektive liegen (Jade macht dies. Jade macht das.), oder auch an den Handlungsweisen, die ich beim besten Willen nicht verstand. Jade verschweigt nämlich vieles und einiges wäre durch Gespräche weniger schmerzhaft gewesen. Die Liebesbeziehung war zwar für Jugendbuchverhältnisse nicht übermäßig kitschig, aber ein reinster Witz mal wieder.
Nur weil Faun gut aussieht und Unnahbarkeit ausstrahlt, begeistert mich das nicht unbedingt. Warum werden Worte eigentlich so unterschätzt?
Nach dem ersten Unwillen überhaupt miteinander zu sprechen, fallen sie sich dann nach der Hälfte des Buches plötzlich in die Arme. -.-

Der Junge verschweigt natürlich auch eine ganze Kiste voller Geheimnisse, die man natürlich erst am Ende öffnet. Für mich ist das nur nervige künstliche Spannung. -.-
Manche interessante Nebenfiguren haben es für mich aber wieder herausgerissen, aber die Diktatorin war  so nichtssagend, wie ihre Maske, die sie immer trägt, dass ich leider keinen Punkt für die Protagonisten vergeben kann.

Fazit

Klar, technisch gesehen brilliert Blazons Werk mit einer dichten Atmosphäre, einem wunderschönen Schreibstil und einem rasanten Plot, bei den man keine Längen spürt, trotz der Seitenzahl.
Aber das hilft alles nichts, wenn man sich in die Protagonistin nicht hineinversetzen kann, sie sogar unsympathisch empfindet, bzw. ihre Handlungen so gar nicht nachvollziehen kann und auch der Plot einen nicht vom Hocker reißt.
Insgesamt gehen die Protagonisten leer aus, für den Plot gibt es eine Regalebene und für das Setting sehr gute zwei Regalbretter.



Na ja, Geschmackssache




Beitrag von Egoliquida

Rezension: Hex Hall - Wilder Zauber

"Warmer Sabber tropfte von ihrem offenen Maul auf meine nackte Schulter. Ich zwang mich, ganz ruhig zu bleiben, und einen Moment später ließ sie mich wieder los. Dann zuckte sie verschämt die Achseln und sagte: „Tut mir leid, ist so eine Werwolf-Gewohnheit.“
„Hey, kein Problem", erwiderte ich, obwohl ich nichts anderes denken konnte, als: Sabber! Werwolfsabber! Auf meiner Haut!"(S.99)




Verlag: Lyx
Preis: 9,95 € (broschiert)
Seiten: 295
 Autor: Rachel Hawkins
 Genre: Urban-Fantasy
 Reihe: 1. Band von 3





Worum gehts?

Die katastrophalen Folgen eines Liebeszaubers katapultieren die Hexe Sophie Mercer in die Besserungsanstalt ins Internat Hecate Hall (kurz: Hex Hall) für Hexen, Gestaltwandler, Feen und neuerdings als Versuchsmodell für Vampire.
Aber Sophie hat Glück: sie teilt mit der einzigen Vampirin ihr Zimmer, ein dunkler Hexenzirkel nötigt sie ein Quartett mit ihr zu bilden und ihr Schwarm ist vergeben.
Als mehrere Hexen angegriffen werden, die danach recht blutleer sind, steht Sophie zu ihrer Zimmergenossin, denn sie weiß um die anderen Feinde der magischen Wesen.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich bin auf etlichen Blogs auf dieses Buch gestoßen, und wollte es unbedingt haben. Irgendwann hatte ich es auf rebuy gekauft, aber als ich es dann auspackte, mit einem völlig zerknickten Buchrücken, war meine Motivation es zu lesen, bei Null. 


Erwartungen an das Buch?
Nach Monaten, in denen es einstaubte, habe ich es zur Hand genommen. Die guten Argumente für dieses Buch waren irgendwie in meinem Kopf nicht mehr existent und ich hatte keine Ahnung mehr, auf was ich mich eigentlich einlasse und demzufolge hatte ich auch keine Erwartungen.

Erwartungen erfüllt?
Hex Hall war für mich eine positive Überraschung.

Die Protagonistin Sophie Mercer ist herrlich erfrischend durch ihre konsequent witzige bis sarkastische Erzählstimme. So als Person nicht wirklich besonders, deshalb habe  ich auch nach dem Lesen ihren Namen vergessen, versprühte sie dennoch viel Charme und so konnte ich mich sehr gut in ihre Perspektive einfinden. 
Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass sie in ernsten Szenen krankhaft witzig sein musste, sondern eher wurde mir natürlicher Humor vermittelt, was für mich ein riesengroßer Pluspunkt ist.
Auch die Nebenfiguren punkteten nicht mit unglaublicher Tiefe, sondern mit viel Sympathie und Humor.

Hex Hall kann dabei nicht wirklich altbekannte Fantasygeschöpfe zu neuem Glanz verhelfen, aber besitzt viele gute Ideen, die mich besonders im ersten Viertel, begeisterten. Wie andere Internatstorys ist auch Hex Hall durch merkwürdige Lehrer und mehr oder weniger nette Mitschüler sehr unterhaltsam. Auch der Unterricht und die Magieexperimente sind gelungen.

Ungereimtheiten, wie z.B. die fehlende Bereitschaft von Sophies Mutter mal die Tatsachen auf den Tisch zu legen, obwohl alle Geheimnisse durch den Internatsbesuch ja eh an ihre Tochter herangetragen werden, sind mir zwar aufgefallen, störten mich aber nicht besonders.

Die Geschichte bedient einige Klischees, die man aber witzig darstellt und teilweise durch Lüften von Geheimnissen wieder auflöst. Die Liebesgeschichte bietet auch keine neuen Akzente, war trotz Kitsch aber in Ordnung.

Der Plot ist spannend und interessant, leider gab es keinen ohrenbetäubenden Knall, der erhoffte grandiose Höhepunkt fiel flacher aus, als vermutet und so blieb Hex Hall banaler, als es hätte sein können. Besonders da der Hintergrund, dass die magischen Wesen von mehreren organisierten Verbrechergemeinschaften schon jahrhundertelang ermordet werden, nicht ohne ist.

Dennoch war ich von der Geschichte gefesselt, verspürte eine regelrechte Sogwirkung und habe von dem Buch gute Laune bekommen, viel gelacht und geschmunzelt. Es passiert mir nicht oft, dass ich in Geschichten so sehr eintauche, dass ich förmlich die Welt um mich vergesse, aber mit Hex Hall habe ich Stationen in Zügen verpasst, die nur alle halbe Stunde fahren.

Insgesamt ist das Buch, wenn man nur von Plot, Setting und Protagonisten ausgeht, durchschnittlich. Für jedes einzelne Charakteristika gibt es von mir eine Herzebene. Zusatzregalbretter vergebe ich aber für die außerordentliche Sogwirkung und den Humor.

Für jemanden, der kurzweilige Unterhaltung sucht, z.B. um eine Leseflaute zu beenden, spreche ich hiermit  eine klare Empfehlung aus. Für alle anderen könnte es aber zu seicht und damit nur mittelmäßig sein.




Empfehlenswert




Beitrag von Egoliquida

Rezension: Timeless

"Sie sollte zurückkehren - so wie sie es immer getan hat -, und jetzt erkenne ich, dass ich der Gnade der Zeit ausgeliefert und zu hilflosem Warten verdammt bin."(S.232f.)



Verlag: Heyne fliegt
Preis: 14,99 € (gebunden)
Seiten: 339
 Autor: Alexandra Monir
 Genre:  Zeitreiseroman
 Reihe: 1. Band von 3






Worum gehts?

Nach dem Tod ihrer Mutter ist Michele gezwungen, zu ihren Großeltern zu ziehen. Dort findet sie ein Tagebuch, dass sie ins Jahr 1910 schickt.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Ich habe es schon vor Ewigkeiten bei BDT vorbestellt, weil ich Zeitreiseromane sehr mag.

Erwartungen an das Buch?

Kennt ihr den Film "Kate & Leopold" mit Meg Ryan? Eine witzige und romantische, ziemlich kitschige Zeitreise-Komödie, die mein Herz erwärmte. DAS habe ich erwartet, nur in Buchform und damit tiefgehender, fantasievoller etc. 

Erwartungen erfüllt?

Timeless war gemessen an meinen Erwartungen eine Enttäuschung.

Das Buch ist keinesfalls schlecht, aber derart durchschnittlich, dass ich es richtig schade finde.

Die Protagonistin, Michele Windsor, hat meiner Meinung nach keine Ecken und Kanten und besitzt keine innere Erzählstimme, die einen Hinweis auf einen ausgeprägten Charakter gibt. Andererseits ist das mit 16 normal, aber ich denke, in Büchern will ich gerade nicht über diese „normalen“ Menschen lesen.
Vielleicht klingt das merkwürdig, aber in der Realität wäre sie mir bestimmt sympathisch gewesen, in Geschichten mag ich liebenswürdig langweilige Mädchen nicht unbedingt.

Zudem gab es nach dem Tod der Mutter keine angebrachte Trauerphase, sondern dieses Ereignis war nur Mittel zum Zweck. Schon allein dieses Thema könnte einen ganzen Roman füllen, aber so, ist es die schlechteste Lösung. Wenn solche emotionalen Themen nur knapp und oberflächlich beschrieben werden, fühle ich mich um eine gute Story betrogen.

Die Fantasyelemente waren für mich Teile aus „Harry Potter“. Für mich war es eine Mischung aus Spiegel Nerhegeb, Riddles Tagebuch und einen Schlüssel. Nur leider unorigineller als in J.K.Rowlings Werken.

Wenn der Plot wenigstens von einer überzeugenden Liebesgeschichte getragen worden wäre. Aber Fehlanzeige! Ich habe noch kein Buch gelesen, in der „Plötzliche Liebe“ so gut beschrieben wurde, im negativsten Sinne der Worte.
Wenn der Typ wenigstens zum Anschmachten gewesen wäre, aber von ihm bekommt man nicht viel mit.
Stattdessen trifft Michele mehrere Frauen ihrer Ahnenreihe auf ihren Reisen in die Vergangenheit. Diese historische Einwürfe waren ganz nett. Aber darauf konnte man sich nicht gut genug einlassen, denn die waren dafür zu kurz, für so viele Personen darin. Dennoch, das Beste und Gelungenste im Buch.

Ob nun in der Vergangenheit oder der Gegenwart, in Timeless spielt Musik eine große Rolle. Ich mag Musik. Aber in Büchern? Wie soll man Musik in Büchern beschreiben? Viele Stücke werden angesprochen, wo ich in den Szenen nur Fragezeichen in meinen Kopf hatte. Ja, theoretisch hätte ich die Lieder einfach in Youtube eingeben können, aber so etwas mache ich nicht. Ein Buch muss meiner Meinung nach ganz alleine stehen, ohne dass ich erst es unterbrechen und Nachforschungen anstellen muss, um es genießen zu können.

Letzter Kritikpunkt: Es gab ein paar Geheimnisse, die Michele durch die Einblicke in die Vergangenheit löste, die ich aber alle schon vor ihr erkannte. Und ich bin ein Mensch, der Überraschungen sehr liebt und wenn so was gehäuft passiert, stark enttäuscht ist.

Nun zu den positiven Aspekten. Timeless hat Potenzial! Besonders das Ende lässt mich doch hoffen, dass sich wenigstens ein Kritikpunkt relativieren könnte.
Und einen leichten, flüssigen Schreibstil, der auch mal Zitate enthält, die sehr schön sind.

Insgesamt alles mittelmäßig, Plot, Protagonisten und Setting. Dafür jeweils einen Punkt.


Na ja, Geschmackssache



Von Zeitreiseromanen bin ich in letzter Zeit sehr enttäuscht und verdammt frustriert, da sie für meine Begriffe zu oberflächlich mit dem Thema Liebe umgehen. Timeless reiht sich da wunderbar zu „Everlasting“, „Zeitenzauber“ und der Edelsteintrilogie ein. Das heißt nicht, dass sie schlecht sind, aber sind sie sehr romantisch, und beinhalten eine halbwegs tiefgehende Beziehung? Das sind und haben sie alle nicht.

Beitrag von Egoliquida

Rezension: Ein reiner Schrei

"Bist du hergekommen, um zu beten?", fragte er und trat einen Schritt vor.
Shell biss sich auf die Lippen. "Beten?", stammelte sie, als wäre das Wort ihr unbekannt.
"Oder vielleicht nur, um vor dem Regen Schutz zu suchen?"
Sie nickte. "Der Regen. Das war der Grund."(S.176)




Verlag: Carlsen
Preis: 15,00 € (gebunden)
Seiten: 317
 Autor: Siobhan Dowd
 Genre:  Jugendbuch
 Einzelband






Worum gehts?

Shell muss in ihrem Leben sehr viel ertragen, seit ihre Mutter gestorben ist. Der Vater ist Alkoholiker, sie muss sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern und ihre Freundschaft zu Pater Rose wird durch den Klatsch der irischen Gemeinde unterbunden. Dann verschwindet ihr Freund Declan nach Amerika und Shell bleibt mit ihren Problemen alleine, die sie schließlich in einen Skandal verwickeln.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?

Die Autorin Siobhan Dowd, hatte die Idee zu "Sieben Minuten nach Mitternacht". Das Buch konnte sie aber nicht schreiben, weil sie zuvor starb. Ich fand das von Patrick Ness beendete Buch äußerst gelungen und wollte deshalb weitere Werke von ihr kennenlernen. Zudem sprach mich die Thematik einer überforderten Jugendlichen, die sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern muss, an, da ich diese in Thabita Suzumas Werk "Forbidden" schon sehr interessant fand.

Erwartungen an das Buch?

Ein nachdenkliches Buch über eine Jugendliche, die ihren Geschwistern als Mutterersatz dienen muss.

Erwartungen erfüllt?

Nachdem ich es beendet hatte, war ich schwer enttäuscht und dachte: Na ja, drei Sterne.
Im Nachhinein, ein paar Tage später, mit einer Verdauzeit dazwischen, würde ich dem nicht wieder zustimmen.

Dieses Buch ist keine leichte Kost und leider habe ich es unglücklicherweise in zweieinhalb Stunden, während ich auf meine Nummer im Einwohnermeldeamt wartete, ausgelesen. Es verdient aber eigentlich Ruhe und Bedenkzeit, denn die Geschichte um Shell ist sehr bedrückend.

Entgegen meiner Erwartung ist die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister nicht die größte und hauptsächliche Bürde, die Shell tragen muss. Das machte es mir schwer, mich mit der Geschichte anzufreunden.

Zudem ist Shell nicht nur stark gebeutelt von dem Tod ihrer Mutter, sondern auch naiv und ich persönlich mag naive Charaktere nicht. Dennoch ist sie gut und eindringlich charakterisiert. Leider wird dieser Aspekt durch die Dritte-Person-Perspektive etwas abgeschwächt, da ich mich ihr dadurch nicht nahe genug gefühlt habe.

Am meisten hat mich die geringe Bereitschaft sich ihrer Probleme anzunehmen, aufgeregt. Auch dieser Vater, der nichts auf die Reihe kriegt und dieser Pastor, der zu schwach ist, ihr zu helfen, obwohl er  wenigstens ausspricht, dass man eigentlich etwas hätte tun müssen. Und diese irische Gemeinschaft, wo jeder die Not der Familie sieht und keiner was tut, bis Shell wirklich unglaublich viel aushalten muss. Das ist einfach schrecklich.

Im Gegensatz zu "Sieben Minuten nach Mitternacht", wo der Protagonist sich seinen Ängsten stellt, leidet Shell. Aber ich denke, "Ein reiner Schrei", will auch etwas anderes, als "Sieben Minuten nach Mitternacht". Jetzt denke ich, dass es vielleicht genau das zeigen wollte, dass solche Menschen wie Shell gar nicht in der Lage sind, sich richtig um sich selbst zu kümmern, da sie mit so viel mehr zu kämpfen haben und aus ihrer Einsamkeit nicht die Kraft besitzen auszubrechen. Im ersten Moment nach dem Lesen, hatte ich diese Schlüsse aber noch nicht gezogen und war verwirrt, was das Buch mir nun eigentlich sagen wollte.

Ich habe in meinen Kopf öfters Szenen von diesem Buch und es hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Für dieses Erstlingswerk vergebe ich für Protagonisten, Setting und Plot je eine Regalebene und für die Tiefe noch ein zusätzliches Regalbrett. Daneben betitle ich es nicht als "Unterhaltsam", da dieses Etikett nicht wirklich dieses Buch beschreiben würde.




Interessant





Beitrag von Egoliquida




Rezension: Splitterherz


„Ich weiß durchaus mit einem Computer umzugehen, leider der Computer nicht mit mir.“ (S.417)


 


Autor: Bettina Belitz
Verlag: Script 5
Seiten: 631
Preis:19,90 €
Genre: Urban- Fantasy
Reihe: Band 1 von 3




Worum geht’s?

Vom der Großstadt in heimeliges Landleben, für Ellie eine unvorstellbare Grausamkeit und doch harte Realität. Als cooles Großstadtmädel kommt sie jedoch nicht allzu weit und muss anfangen, ihr hart erarbeitetes Image zugunsten ihres wirklichen Charakters aufzugeben. Vor allem der mysteriöse Colin scheint dabei eine große Hilfe zu sein. Doch scheint Colin mehrere Geheimnisse zu umgeben, fast übermenschliche sozusagen. Und warum schläft Ellie bloß so viel?
Welche Bedeutung haben Träume wirklich?

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich wollte mal wieder eine schöne Liebesgeschichte mit einer Prise Fantasy, meine Schwester empfahl mir dann dieses Buch und da ich von dem Cover sehr angetan war, kaufte ich es mir natürlich.

Erwartungen an das Buch?
Schnulzig, schön und übersinnlich. Vielleicht nicht ganz so ernst.

Erwartungen erfüllt?
Nun ja, was soll ich dazu sagen? In gewisser Weise ja, übersinnlich war dabei, es war ansprechend geschrieben und auch schön, schnulzig nicht, was ja nicht unbedingt schlecht ist.

Ellie ist ein unheimlicher Sturkopf, der sich gerne mit der Welt anlegt. Dies kommt aber erst nach und nach heraus, da sie in ihrer Heimatstadt ihr wahres Ich unter Verschluss gehalten hat. Man erfährt sehr viel über diese Geschichte und so natürlich auch über Ellie. Trotzdem muss man sich mit ihr als Protagonisten anfreunden, mir persönlich hat sie gefallen. Trotzdem war ich punktuell etwas genervt und hätte das Mädel gerne mal angebrüllt, an bestimmten Stellen bitte nicht zu sehr zu übertreiben. Aber ansonsten ist sie eine Idee eines Charakters und als Protagonistin unterhaltsam.

Colin als mysteriöser Traummann entpuppte sich für mich eher als Enttäuschung. Zwar gibt es für ihn als Typ ein paar Pluspunkte, aber die meiste Zeit war er für mich zu melancholisch und geheimnisumwoben. Auch sein Handeln ist selten für mich nachvollziehbar gewesen. Sicher soll das sein „geheimnisvolles Image“ bestimmt unterstreichen und doch wird das für mich zu abgedreht dargestellt, als dass ich es spannend finden würde.

Sonstige Charaktere sind stereotyp und berechenbar.

Das Buch ist sprachlich schön geschrieben, allerdings sehr langatmig, mehr zu kürzen hätte dem Buch gut getan. Leider fiel es mir schwer, mich komplett in die Handlung plumpsen zu lassen, dazu waren einige Passagen zu weit gefasst. Nebenbei wirkt sie manchmal etwas befremdlich auf mich, ich fand die Ideen und Handlungen der Personen zu abgedreht.

Gut gefallen hat mir allerdings, dass der ganze Twilight- Hype ein bisschen durch die Suppe gezogen wird. Auf eine angenehme Art und Weise. Colins „Geheimnis“  fand ich persönlich sehr interessant und die Rolle von Träumen spricht mich in der Handlung sehr an.

Alsdann,  die Bewertung: Für Plot gibt es eine Regalebene, genauso wie für die Charaktere. Für das Setting gebe ich kein Regalbrett. Ich konnte mir das alles eher schlecht vorstellen bzw. war es mir auf einmal zu deutlich beschrieben und auch zu, naja, abgedreht. Einen Zusatzpunkt gibt es für Colins „Geheimnis“ und die Sache mit den Träumen. (Und damit ihr die herausfindet, müsst ihr das schon selber lesen, over and out!)
Insgesamt also ein Herz mit drei Regalebenen.





Na ja, Geschmackssache


Beitrag von R.S.