"Ich bin Amarras Vater", unterbricht er mich leise. "Glaub mir, ich würde sie erkennen, wenn sie vor mir stünde" (S. 169)
Worum geht's?
Eva wurde erschaffen, um beim Ableben von Amarra diese zu ersetzen. Deshalb muss sie alles lernen, essen und lieben, was auch Amarra lernt, isst und liebt. Denn Eva ist als Echo nur eine Kopie des Originals und nur als solche hat sie die Berechtigung zu leben. Doch nicht nur ihre Erschaffer können ihr Leben, wenn sie die Regeln bricht, jäh beenden, denn zusätzlich gibt es noch die Jäger auf diese Kopien, denn die Erschaffung eines Echos ist nicht in jedem Land legal.
Meine Meinung:
Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Vor langer Zeit war ich auf Dystopien-die-ich-vorbestellen-kann-Suche und "Lost Girl" musste ich einfach bestellen, denn ich versprach mir mal einen völlig anderen Weltentwurf.
Erwartungen an das Buch?
Einfach eine spannende Dystopie, die nicht nur auf ein autoritäres System abzielt.
Erwartungen erfüllt?
Ich finde, es gab keinen Weltentwurf, sondern nur eine einzige Idee, die das Ziel hatte, dass ich durchgehend in Trauer und Mitgefühl versank.
Es ist bedrückend und traurig, wie Eva ihre Individualität jederzeit unterdrücken muss, denn sie ist weder eine seelenlose Hülle, noch ein Monster. Das wird beim langsamen und ausführlichen Einstieg in die Geschichte deutlich beschrieben.
Dann kam der Abschied von ihren Vormündern, welche sie zu Amarra erzogen hatten, um in eine Familie zu gehen, die trauerte, bzw. zwanghaft versuchte in ihr die verstorbene Tochter zu sehen.
Der Verlust eines geliebten Kindes bzw. einer geliebten Schwester oder Freundin ist im Mittelteil omnipräsent und sehr emotional dargestellt.
Auch die kläglichen Bemühungen von Eva, Amarra zu ersetzen und sich fast vollständig aufzugeben, sind sehr tragisch.
Als kleinen Bonus gab es noch eine unerfüllte, da verbotene, Liebe.
Zum Ende hin habe ich echt geweint, denn das war alles derart ungerecht und bedrohlich.
Leider gab es neben dieser einfühlsamen Story auch Schwachpunkte. Zum einen wäre da die obligatorische Flucht und zum anderen das mäßige Ende.
Enttäuscht bin ich zudem von der Idee der Echoerschaffung, denn hundertfach werden gruselige Andeutungen gemacht, von wegen Knochen vom Friedhof etc., aber schlussendlich wird nichts aufgeklärt. Wenn ich das nicht durch Tinas Rezension gewusst hätte, wäre ich richtig sauer gewesen, so war ich vorgewarnt und konnte meine Neugier bremsen, die trotzdem entfacht wurde. Leider war die Sache so ein einziges verschenktes Potenzial und eine Irreführung des Lesers.
Fazit
Zum Setting: Die Geschichte spielt in zwei Orten, England und Indien, die ich aber nicht lebhaft vor meinen Augen hatte. Es ist kein Buch, welches von den Schauplätzen lebt und auch die Atmosphäre war nicht dadurch begründet, deshalb vergebe ich dafür keine Regalebene. Ich fand es schade, dass es keine wirkliche Zukunftsvision der Welt gab, bzw, diese sich ausschließlich auf die Echos beschränkte.
Der Plot war sehr emotional und ich klebte an den Seiten, denn es gab so eine Art stete Bedrohung durch die Erschaffer der Echos, die mich fesselte. Auch die angesprochenen Themen Selbstfindung, Lebenswille, Fremdbestimmung und Verlust wurden sehr einfühlsam beschrieben, sodass ich dafür zwei Regalebenen vergebe, auch wenn er Schwächen hatte.
Die Charaktere waren solide. Man konnte mit Eva mitfühlen und auch die Nebenfiguren hatten ihre Eigenarten. Die Antagonisten waren mir persönlich aber zu eindimensional, deshalb gibt es dafür nur ein Regalbrett.
Eine zusätzliche Regalebene verdient der absolut tiefe Emotionen weckende und atmosphärische Schreibstil.
Insgesamt ist es für mich ein gutes Buch, das mich mitgenommen hat, welches ich aber wahrscheinlich nie wieder lesen werde, denn es war für mich eine Achterbahn (steil nach unten) der Gefühle und wenn ich die zu oft benutzen würde, könnte ich Depressionen bekommen.^^
Unterhaltsam
Beitrag von Egoliquida