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Rezension: Cocoon - Die Lichtfängerin

"Ich weiß, dass die goldenen Lichtbänder die Zeit sind, und wenn ich mich stark genug auf die Wahrnehmung des Gewebes um mich herum konzentriere, sehe ich sie vorbeifließen und Stränge bilden." (S. 78)




Autor: Gennifer Albin
Verlag: INK
Seiten: 360
Preis: 17,99€ (gebunden)
Reihe: 1. Band von 3





Worum geht's?
Adelice wird von ihren Eltern trainiert ihr Talent, das Weben und dadurch Verändern der Substanz der Welt, zu verbergen, denn wenn man als Webjungfer einberufen wurde, kommt man nie wieder zurück.
Nachdem es doch passiert versucht sie aus der Gefangenschaft zu entkommen und ihre Schwester zu retten.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Wie so oft war ich auf Goodreads unterwegs und fahndete nach guten Dystopien.

Erwartungen an das Buch?
Eine Dystopie mit einer interessanten Welt.

Erwartungen erfüllt?
Dieses Buch ist für mich schwierig zu bewerten, denn ich bin jemand dem das völlig innovative Weltenerschaffen in Büchern besonders am Herzen liegt und in "Cocoon" habe ich etwas gefunden was wirklich einzigartig neu und gleichzeitig ästhetisch war. Eine Welt, wo jeder Mensch und jedes Ding gewoben wird und man u.a. durch Abtrennen von Fäden ganze Landstriche und Personen verschwinden lassen kann.

Aber wenn ich von der wunderschönen Idee (die gut umgesetzt wurde) absehe, entdeckte ich ein typisches autoritäres System mit einer Protagonistin, die außer ihren ständigen schnippischen (nicht sarkastischen, sondern nervigen) Kommentaren, sich nicht vom Durchschnitt abhob... leider. Tatsächlich habe ich nicht verstanden, was sie überhaupt davon abhält mal ihre Fertigkeiten zu trainieren und damit mal was Anständiges zu fabrizieren.
Die Frau wurde eingesperrt, gefoltert und manipuliert hatte aber den Kampfgeist einer hohlen Nuss, obwohl sie mit ihren Fähigkeiten (die ihr bewusst waren) die Welt, die Substanz dessen aus dem alles besteht (sogar die Zeit), verändern kann. Große Klappe nichts dahinter, das repräsentierte sie in Vollkommenheit, bis ihr kurz vor Schluss doch einfiel, dass ihre Begabung nützlich ist.

Auch die zahlreichen Nebenfiguren sind erschreckend blass, ob das nun die Gegenspieler oder der Liebhaber ist. Tatsächlich waren sie dumpfe Marionetten ohne Motive. Ich meine hunderte Frauen "Webjungfern" lassen sich mit Kleidern, Schminke und gutem Essen dazu verführen, ihr ganzes Leben lang nur zu weben? Sie dürfen keine Männer haben, sie dürfen ihre Eltern nicht sehen, sie sind für immer eingesperrt und da gibt es keine die aktiv rebelliert?
Einzig die Mentorin von Adelice und der Chefbutler Jost sind ein wenig individuell, da sie jeweils eine Art Hintergrundstory besitzen, obwohl ich da jetzt auch keine besonderen Charaktereigenschaften gesehen habe.

Mal abgesehen von der Webidee war das System sehr ähnlich dem von "Die Auswahl", die Regierung bestimmte alles, was man isst, wann man heiratet, welchen Beruf man bekommt usw. Ich mag solche Systeme, aber die Auswirkungen dieser Beschränkungen wurden zwar erwähnt, erreichten mich aber emotional zu keinem Zeitpunkt.

Die Emotionen allgemein kamen bei mir überhaupt nicht (!) an. Ich war zwar die ganze Zeit begierig darauf zu erfahren, was nun aus der Idee mit dem Weben und dem autoritären System gemacht wurde, aber die Schicksalsschläge die Adelice schon sehr früh im Buch erleidet und deren Trauer etc. sich durch das gesamte Buch zieht, konnte ich als Leser nicht nachvollziehen. Dabei wäre ich gerne mit in einem Strudel von Emotionen hineingezogen wurden, aber da war nichts. Kein Funke der übersprang.

Ich würde dieses Buch so gerne lieben. So gerne. Die Welt, die Idee fasziniert mich unendlich.

Aber der Plot war dafür auch zu ereignislos. Im Nachhinein passiert da nicht viel außer den ständigen Erkenntnissen, wie gut sie doch weben kann (und sich das unlogischerweise erst sehr sehr spät zu Nutze macht), welch vorlautes Mundwerk sie hat (X-Mal wäre sie theoretisch schon umgebracht worden), dass sie sich und andere in Gefahr bringt und das System wirklich richtig grotesk und böse ist (Ach?). Ach ja und ständig ist irgendjemand sauer auf sie und spinnt Intrigen...

Im Grunde konnte man das alles nicht Ernst nehmen, denn als Leser habe ich 2 und 2 zusammengezählt und da war es klar, dass sie ihr Wunderkind nicht umbringen würden.
Aber natürlich werden dann andere Foltermethoden angedroht, aber naja... dafür war das Buch dann auch schon zu weit fortgeschritten, um da noch spannend zu werden. Und das Ende war viel zu glatt und weichgespült.
Von meinem Abscheuthema Flucht wurde ich auch nicht verschont...
Ein Liebesdreieck gibt es auch, aber das hätte weitaus schlimmer sein können, sie entscheidet sich doch relativ klar für den einen.

Obwohl ich objektiv dem Buch eine schlechte Bewertung gebe, habe ich es aufgrund der Welt und den Ideen gemocht und verschlungen und ich werde wahrscheinlich auch die Fortsetzungen lesen.

Fazit
Eine Dystopie mit einer Idee vom Verweben der Realität, die mich fasziniert. Nur leider gesellten sich Pappfiguren und 08/15-Plot dazu.
Für die gute Idee vergebe ich zwei Regalebenen im Sinne des Settings.


Bescheiden

Beitrag von Egoliquida

Sieben wirklich kurze Kurzrezensionen

Ich habe in letzter Zeit viel gelesen, aber leider einige Bücher, die so mittelmäßig waren, dass ich keine große Lust verspüre sie näher zu erörtern, bzw. welche, bei denen ich meine Begeisterung nicht so recht in Worte verpacken kann oder will.


Daher viel Spaß mit diesen wirklich kurzen Kurzrezensionen. ;)

1. Die Suche

"Ich ziehe meine Eltern gleichzeitig aus ihren Fächern, genieße das Gefühl des kalten Metalls auf meiner Haut, das Klacken, das die Rolltragen machen, wenn sie auf ihren Stützrädern einrasten." (S.324)

Autor: Beth Revis
Verlag: Dressler
Seiten: 458
Preis: 19,95€ (gebunden)
Reihe: 2. Band von 3

Besser als der erste Teil, da die Rätsel- und Thrillerelemente nicht ganz so durchschaubar waren. Wer Rätsel, Dystopien und Jugendthriller mag, ist damit gut bedient.
Am Ende dachte ich schon Schlimmes, aber ich finde die Endposition sehr gut und freue mich riesig auf den letzten Teil.
Das tolle an Godspeed ist natürlich der Umstand, dass man aus einen Raumschiff nicht flüchten kann.^^

Lesenswert? Ja!

2. Zimmer mit Aussicht

"Er hatte etwas in den Fluß geworfen. 
"Was haben Sie hineingeworfen?"
"Sachen, die ich nicht wollte", sagte er ärgerlich.
"Mr. Emerson!"
"Ja?"
"Waren das die Photographien?"
Er hüllte sich in Schweigen.
"Ich glaube, es waren meine Photographien, die sie weggeworfen haben." (S.74)

Autor: Edward Morgan Forster
Verlag: Brigitte Edition 
Seiten: 334
Preis: 4,99€ (gebunden)
Reihe: Einzelband
Genre: Gesellschaftskomödie, Liebesgeschichte

Lucy Honeychurch muss sich zwischen dem Freigeist George Emerson und dem versnobten Cecil Vyse entscheiden. 
Dieser Klassiker nimmt die prüde viktorianische Gesellschaft mit ganz leichter Ironie aufs Korn. Ich habe, wie den Film, das Buch sehr genossen, weil die Liebesgeschichte ohne Kitsch auskommt und ich wirklich richtig in die Atmosphäre abtauchen konnte.

Lesenswert? Ja!

3. Die Wächter

"Finger hoch, wer für Menschenmengen, Straßenunruhen und das Massenleben im Allgemeinen ist." (S.127)

Autor: John Christopher
Verlag: Ravensburger
Seiten: 192
Preis: nur noch gebraucht erhältlich (Taschenbuch)
Reihe: Einzelband

Sehr kurze Dystopie (leider mit Fluchtanteil), die mich nicht überzeugen konnte, sich aber flüssig gelesen hat. Die Charaktere waren gemessen an der geringen Seitenzahl sehr gut dargestellt. Es geht um einen Jungen, der aus der städtischen Moderne in das scheinbar friedliche historische Landleben flüchtet. Doch die Menschen werden manipuliert und überwacht.

Lesenswert? Vielleicht!

4. Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna

"Was für eine verkehrte Welt. Es machte mir mehr und mehr Spaß, auf Antworten Squillionen von Fragen zu wissen. Ich dachte mir einen grotesken Haufen Unsinn aus, und die Antwort war immer gleich." (S.77)

Autor: Fynn
Verlag: Fischer
Seiten: 193
Preis: 7,00€ (gebunden)
Reihe: Einzelband

Ein Buch nach einer wahren Begebenheit.
Kleines Meisterwerk. Es werden philosophische Themen angesprochen, die leider nicht immer zu Ende gedacht werden. Ein Buch mit sehr liebenswerten Charakteren, die man sofort ins Herz schließt und die Emotionen wecken.

Lesenswert? Ja!

5. Der Sommer der silbernen Wellen

"Gegebenheiten und Menschen, die ich geglaubt hatte zu kennen, erwiesen sich als das Gegenteil dessen, für das ich sie gehalten habe. Das galt sogar für mich selbst." (S.258)

Autor: Amanda Howells
Verlag: FJB
Seiten: 378
Preis: 17,99€ (gebunden)
Reihe: Einzelband

Ein Buch mit den großen Themen Selbstfindung und Angepasstsein. Fand ich recht fad, da ich aus der angesprochenen Zielgruppe (15-17) heraus bin. Der Schreibstil war angenehm.
Leider war der männliche Part zum Ende hin sehr leichtsinnig und das Mädchen auch noch so blöd, dass sie mit von der Partie war. Es herrschte eine merkwürdige Moral, in der Art wie: Besäufnisse und anderer Drogenkonsum machen nur fehlgeleitete Jugendliche, aber wir sind vernünftiger. Und dann brechen sie in fremde Häuser ein und schwimmen bei Gewitter im Meer. Ähm ja...

Lesenswert? Vielleicht!

6. Renegade

"Winzige Blutstropfen laufen über meinen Arm. Ich sehe zu, wie sie einer nach dem anderen auf dem Boden landen, tropf, tropf, tropf." (S.216)

"Grinsend fragte Gavin mich: "Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um mir zu zeigen, was sich unter deinem Kleid verbirgt?" (S.250)

Autor: J.A.Souders
Verlag: IVI
Seiten: 359
Preis: 16,99€ (gebunden)
Reihe: 1. Band von 3

Naive bis lächerliche Protagonisten werden hier gemischt mit erschreckenden Gewaltszenen und ewiger Flucht. Das Buch hat mich sehr enttäuscht, denn Plot, Setting und Charaktere hätten Potenzial gehabt, wenn die Ausarbeitung besser gewesen wäre. Es gibt eine sehr schwache Story mit Logiklöchern, so groß wie der Ozean um die Unterwasserstadt Elysium, die mit einigen Wendungen und Ideen aufgepeppt wurde. 

Lesenswert? Eher nicht!

7. Legend

"Gestern Abend war sie so berauscht von mir wie ich von ihr, aber heute wirkt sie so abweisend, in sich gekehrt." (S.177)

Autor: Marie Lu
Verlag: Loewe
Seiten: 364
Preis: 17,95 (gebunden)
Reihe: 1. Band von 3

Angeblich schlauste/kriminellste Jugendliche der Nation mit tragischen Hintergrundgeschichten verhalten sich wie Durchschnittsdystopieprotagonisten. Einer der beiden Charaktere ist ständig auf der Flucht, der Gegenpart sucht und verliebt sich in ihn. Die Welt wird leider nur grob beschrieben, sodass viel Atmosphäre allein dadurch verflog. Das Werk hat mich nicht überzeugt und ich werde die Folgeteile wahrscheinlich nicht erwerben, da es mir insgesamt zu durchschnittlich war.
Die Spannung hat durch den Umstand, dass es sich um eine Trilogie handelt, sehr gelitten.
Und wieder kann ich sagen: Gewalt macht ein Buch nicht wirklich besser.

Lesenswert? Vielleicht!



Rezension: To the Moon (PC-Spiel)

John: "Wenn deine Operation bezahlt ist, wird noch genügend übrig sein. Also mach dir keine Sorgen."
River: "Notlüge. So nennt man das doch, oder nicht?" (ca. nach 70min)




Plattform: PC
Publisher: Freebird Games
Spielzeit: ca. 6 Stunden
Preis: 19,99€
Genre: Point&Click-Adventure





Worum geht's?
In Johns Welt können Ärzte künstliche Erinnerungen entstehen lassen. Dr.Watts und Dr. Rosalene versuchen den sterbenden John seinen letzten Wunsch, einen Mondbesuch, zu erfüllen, aber in den Wirren seiner Vergangenheit decken beide ein dramatisches Leben voller Liebe, Tragik und verdrängten Geheimnissen auf. Die Zeit läuft gegen die Doktoren, die sich am Ende entscheiden müssen, ob eine Erinnerungsänderung zumutbar ist.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Spiel gekommen?
Ich wollte ein Point&Click Adventure kaufen und habe dann dieses Spiel gefunden und war total von dieser dystopischen Idee der Erinnerungsmanipulation fasziniert, sodass ich es mitnahm.

Erwartungen an das Spiel?
Ein Spiel mit einer richtig guten Story, denn es hat laut Verpackung den "Gamespot - Best Story of 2011"-Award.

Erwartungen erfüllt?
Nun, es ist weniger ein Spiel, als eine visualisierte Geschichte, die es in sich hat.
Die Story ist sehr emotional und tricky, da man Johns Leben rückwärts betrachtet, von einer Erinnerung zur nächst früheren.
Ich wäre niemals auf das Ende gekommen und war sehr überrascht, wie ein Spiel derart mit meinen Gefühlen umspringen konnte.

Die konkreten Spielelemente sind sehr rar gesät: Man sucht Erinnerungsverbindungen, über die man eh stolpert und für einen Erinnerungssprung muss man ein sehr leichtes Minigame lösen. Vielmehr muss man sich durch tausende Dialoge klicken. Dennoch machte diese Art von Interaktivität doch einen gewissen Reiz aus, auch wenn das Spielgeschehen durchweg linear ist.
Hilfreich war die obige Zeitleiste, durch die man das ungefähre Lebensalter von John in der jeweiligen Erinnerung erahnen konnte.
Es ist eben ein Indiespiel, also kein Spiel von einer großen Spieleentwicklungsfirma, sondern ganz unabhängig von solchen, wurde es von sehr wenigen Personen programmiert.

Die Atmosphäre leidet etwas an der veralteten Grafik (Gameboy-Color-Niveau), da hätte ich mir bei wichtigen Szenen animierte Zeichnungen gewünscht, um die Gesichtsausdrücke zu sehen.
Wettgemacht wurde dieses Manko aber durch die Musikuntermalung, die es auf der zusätzlichen CD als Soundtrack gibt und sich insgesamt als extrem bereichernd auswirkte, denn so manchmal konnte ich eine Gänsehaut bei mir entdecken..

Der Plot ist sehr verstrickt und jedes Detail am Ende wichtig. Positiv fand ich, dass der Spieler mitdenken muss, denn einige Dinge werden nicht konkret gesagt, dafür aber mehrmals angedeutet.
Allein die Idee, dass man sterbenden Menschen deren Gedächtnis verändert, damit sie glücklich und zufrieden einschlafen können, finde ich interessant aber auch erschreckend.  Sind denn nicht auch negative Ereignisse in unserem Leben wertvoll?

Ich fand die Geschichte von Anfang an spannend und diese Spannung wurde durch die auftretenden Komplikationen auch noch verschärft.
Zudem muss man schon extrem abgebrüht sein, um nicht ein wenig neugierig auf Johns Leben zu werden.
Zugegeben, die Geschichte hatte auch ein wenig Kitsch in sich (neben den Riesenportionen Drama und Tragik), aber es war gutartiger Kitsch, der gekonnt eingesetzt wurde.

Die Charaktere sind sehr gelungen. Die agierenden Doktoren, die sich in Johns Gedächtnis auf die Reise machen, lockern durch ihre freundschaftlichen Sticheleien und Anspielungen auf Serien und Animes das eher melancholische Leben von John ungemein auf.
John und River haben ein realistisches Leben hinter sich, mit Höhen und Tiefen. Deshalb ging es mir sehr nahe, als aufgelöst wurde, warum sich River so merkwürdig verhielt und warum John eigentlich zum Mond will. Es war das erste Mal, dass ich wegen einem Computerspiel geweint habe.

Gern hätte ich dieses Spiel als Buch, um es einmal in Ruhe zu lesen, so war ich irgendwie süchtig danach, zügig zu klicken, damit ich immer weiter und weiter in Johns Vergangenheit dringen konnte.

Gleich danach habe ich nach einem Let´s Play (Youtubevideos vom kompletten Spielverlauf) gesucht und ein wirklich gutes, abgeschlossenes gefunden und auch gesehen: http://www.youtube.com/watch?v=6KAqXiv1eZ8&list=SP52470355D729D662&feature=plcp

Fazit
Mal ein etwas anderes "Buch", mit einer faszinierenden Story, wunderbaren Dialogen, Spannung, Humor und dazu fulminante Musik.
Für das Setting vergebe ich eine Regalebene, für den Plot herausragende zwei Regalbretter und für die Charaktere ein Brett. Einen Zusatzpunkt vergebe ich für die Interaktivität, den beigelegten Soundtrack, die Idee und meine geflossenen Tränen.
Empfehlenswert

Beitrag von Egoliquida

Rezension: Lost Girl

"Ich bin Amarras Vater", unterbricht er mich leise. "Glaub mir, ich würde sie erkennen, wenn sie vor mir stünde" (S. 169)





Autor: Sangu Mandanna
Verlag: Ravensburger
Seiten: 437
Preis: 16,99€ (gebunden)
Reihe: Einzelband





Worum geht's?
Eva wurde erschaffen, um beim Ableben von Amarra diese zu ersetzen. Deshalb muss sie alles lernen, essen und lieben, was auch Amarra lernt, isst und liebt. Denn Eva ist als Echo nur eine Kopie des Originals und nur als solche hat sie die Berechtigung zu leben. Doch nicht nur ihre Erschaffer können ihr Leben, wenn sie die Regeln bricht, jäh beenden, denn zusätzlich gibt es noch die Jäger auf diese Kopien, denn die Erschaffung eines Echos ist nicht in jedem Land legal.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Vor langer Zeit war ich auf Dystopien-die-ich-vorbestellen-kann-Suche und "Lost Girl" musste ich einfach bestellen, denn ich versprach mir mal einen völlig anderen Weltentwurf.

Erwartungen an das Buch?
Einfach eine spannende Dystopie, die nicht nur auf ein autoritäres System abzielt.

Erwartungen erfüllt?

Ich finde, es gab keinen Weltentwurf, sondern nur eine einzige Idee, die das Ziel hatte, dass ich durchgehend in Trauer und Mitgefühl versank.
Es ist bedrückend und traurig, wie Eva ihre Individualität jederzeit unterdrücken muss, denn sie ist weder eine seelenlose Hülle, noch ein Monster. Das wird beim langsamen und ausführlichen Einstieg in die Geschichte deutlich beschrieben.

Dann kam der Abschied von ihren Vormündern, welche sie zu Amarra erzogen hatten, um in eine Familie zu gehen, die trauerte, bzw. zwanghaft versuchte in ihr die verstorbene Tochter zu sehen.
Der Verlust eines geliebten Kindes bzw. einer geliebten Schwester oder Freundin ist im Mittelteil omnipräsent und sehr emotional dargestellt.
Auch die kläglichen Bemühungen von Eva, Amarra zu ersetzen und sich fast vollständig aufzugeben, sind sehr tragisch.
Als kleinen Bonus gab es noch eine unerfüllte, da verbotene, Liebe.
Zum Ende hin habe ich echt geweint, denn das war alles derart ungerecht und bedrohlich.

Leider gab es neben dieser einfühlsamen Story auch Schwachpunkte. Zum einen wäre da die obligatorische Flucht und zum anderen das mäßige Ende.
Enttäuscht bin ich zudem von der Idee der Echoerschaffung, denn hundertfach werden gruselige Andeutungen gemacht, von wegen Knochen vom Friedhof etc., aber schlussendlich wird nichts aufgeklärt. Wenn ich das nicht durch Tinas Rezension gewusst hätte, wäre ich richtig sauer gewesen, so war ich vorgewarnt und konnte meine Neugier bremsen, die trotzdem entfacht wurde. Leider war die Sache so ein einziges verschenktes Potenzial und eine Irreführung des Lesers.


Fazit
Zum Setting: Die Geschichte spielt in zwei Orten, England und Indien, die ich aber nicht lebhaft vor meinen Augen hatte. Es ist kein Buch, welches von den Schauplätzen lebt und auch die Atmosphäre war nicht dadurch begründet, deshalb vergebe ich dafür keine Regalebene. Ich fand es schade, dass es keine wirkliche Zukunftsvision der Welt gab, bzw, diese sich ausschließlich auf die Echos beschränkte.

Der Plot war sehr emotional und ich klebte an den Seiten, denn es gab so eine Art stete Bedrohung durch die Erschaffer der Echos, die mich fesselte. Auch die angesprochenen Themen Selbstfindung, Lebenswille, Fremdbestimmung und Verlust wurden sehr einfühlsam beschrieben, sodass ich dafür zwei Regalebenen vergebe, auch wenn er Schwächen hatte.

Die Charaktere waren solide. Man konnte mit Eva mitfühlen und auch die Nebenfiguren hatten ihre Eigenarten. Die Antagonisten waren mir persönlich aber zu eindimensional, deshalb gibt es dafür nur ein Regalbrett.

Eine zusätzliche Regalebene verdient der absolut tiefe Emotionen weckende und atmosphärische Schreibstil.

Insgesamt ist es für mich ein gutes Buch, das mich mitgenommen hat, welches ich aber wahrscheinlich nie wieder lesen werde, denn es war für mich eine Achterbahn (steil nach unten) der Gefühle und wenn ich die zu oft benutzen würde, könnte ich Depressionen bekommen.^^

Unterhaltsam

Beitrag von Egoliquida

Rezension: Vollendet

"Ich hasse euch dafür, was ihr getan habt. Niemals vergebe ich euch. Aber als er endlich auf Seite zehn angelangt ist, schreibt er: Ich liebe euch. Euer ehemaliger Sohn Connor." (S. 145)





Autor: Neal Shusterman
Verlag: Sauerländer
Seiten: 429
Preis: 16,99€ (gebunden)
Reihe: 1. Band von 3





Worum geht's?
Im Gesetz steht, dass Kinder, deren Leben bis zum 13. Lebensjahr unantastbar ist, rückwirkend abgetrieben werden können. 
Dadurch stehen Connor, Risa und Lev stehen vor dem selben Problem: Sie sollen umgewandelt werden, d.h. ihr gesamter Körper wird auseinandergenommen, um dann als Organspende wiederverwendet zu werden.
Lebst du, wenn deine Einzelteile in anderen Menschen sind, oder bist du dann tot?

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich habe es unendlich oft in der englischen Originalversion (Unwind) gesehen und war drauf und dran es in besagter Ausgabe zu lesen, denn es wurde immer als außerordentlich gute Dystopie gehandelt. 
Aber ich war faul und es hat sich gelohnt zu warten. ;D

Erwartungen an das Buch?
Ich hatte immer Jugendliche im Krankenbett vor meinem geistigen Auge, die ungefähr solche Gespräche führen:
"Hm, ich frage mich, wann mein zweiter Arm ab ist und ich nicht mal mehr Karten spielen kann."
"Du hast Luxusprobleme, ich kann nicht mehr sehen!"

Erwartungen erfüllt?
Es hat nichts mit meinen Erwartungen zu tun.^^

Das Werk beginnt mit einer Flucht. Ist das nicht total... öde?
Muss denn wirklich in jeder Dystopie dieses Plotelement vorkommen? Zudem empfand ich den Start etwas holprig, denn ich konnte mich nicht sofort in Connor hineinfühlen.
Dann wechselte die Perspektive zu dem Waisenmädchen Risa, die ja, flüchtet.
Und was nun mit der dritten Perspektive, Lev, passiert, kann man sich nun ausrechnen.

Spannend wird es erst ab ca. der Hälfte, wenn diese elende Flucht ein Ende nahm.
Die Idee wo sie landen und die ganze Geschichte drumherum, ja auch die Protagonisten haben mich zu diesem Zeitpunkt dann mitgerissen.

Nach meinen Anfangsschwierigkeiten mit den drei Charakteren wuchsen zumindest die zwei Jungen, Connor und Lev, mir ans Herz. Risa war eben normal, ein vernünftiges Mädchen.
Lev, der zuerst die Umwandlung befürwortet, hatte Zeit bekommen, die in anderen Büchern viel geringer ausfällt, um diese Meinung zu revidieren.

Aspekte der Geschichte haben einleuchtend gezeigt, welche grauenvolle Ausmaße die Gesetze haben. Davon profitierte die Story ungemein.
Dazu werden lose Fäden vom eher mühseligen Beginn am Ende wieder aufgenommen, die zu wirklich guten Wendungen bzw. Überraschungen werden, dies hat mir sehr gefallen.
Daneben hatte ich auch sehr viele unterschiedlichste Emotionen und zum Nachdenken bin ich auch gekommen.

Ansprechend fand ich auch die bitterbösen Nebeninfos z.B.:
"Als sich seine Eltern scheiden ließen, entbrannte ein brutaler Kampf um das Sorgerecht für ihn. Zwei Jahre und sechs Gerichtstermine später war er immer noch nicht entschieden. Am Ende konnten sich sein Vater und seine Mutter nur darauf einigen, dass sie Hayden umwandeln lassen wollten, als dem anderen das Sorgerecht zuzubilligen."( S.133)

Ich würde persönlich nicht der Meinung sein, welche die Story vermittelt, wenn es z.B. um Gehirnspenden geht, aber interessant und erschreckend war diese Idee. Dennoch war mir dieser Seelen/Erinnerung im Körper-Aspekt ein bisschen zu grotesk. Meinem Weltbild entspricht es nicht und das machte es natürlich für mich etwas suspekt. Für das Buch als solches, war es natürlich der wirkungsvollste und eindrücklichste Weg.

Was mich gestört hat, war die Einseitigkeit des Settings. Warum sollte eine solche Gesellschaft sich nicht in noch weiteren Bereichen wandeln, bzw. war mir eh das zu sehr auf ein Thema eingeengt.

Fazit
Es ist keine Dystopie, die mich auf jeder Seite hundertprozentig überzeugt hat, dafür bei wesentlichen Ideen und Szenen umso mehr. Erst nach einigem Blättern wuchsen mir die Protagonisten ans Herz und der Plot wurde spannender, bis hin zu einem ergreifendem Schluss.
Die Grundidee ist interessant, füllt aber keine gesamte Gesellschaft meiner Meinung nach.
Es gibt bitterböse Dinge, aber diese eigentliche Härte ist nicht vollkommen, besonders beim Schluss kam es mir so vor, als ob der Autor diesen mit angezogener Handbremse schrieb.

Für den Plot vergebe ich zwei Regalbretter, denn für mich persönlich hat die zweite Hälfte der Geschichte mir enorm viel geboten. Das Setting ist für mich eine stabile Regalebene wert und die Protagonisten und Nebenfiguren hatten für mich das gewisse Etwas, das mir bei sehr vielen Büchern fehlt: Persönlichkeit und den Hauch von Seele.
Empfehlenswert

Beitrag von Egoliquida

Kurzrezension: Das letzte Zeichen

Wenn ich morgens früh aufstehe
und zu meinen Dystopien gehe,
schau ich hin und schau ich her,
ob noch eine ungelesene da wär.

Mein Gesicht glüht voller Glück,
als ich entdeck' das papierene Stück.
Denn ich freu' mich auf ein wenig Tiefe
und einen Plot, der rasant zuliefe.

Les' ich dann aber immer weiter
und die Story wird nerviger und seichter,
fall' ich ich in die Depression hinein,
fang' dann ganz laut an zu schrein':
HILFE!
(inspiriert vom Kinderbewegungslied "Schornsteinfeger"; umgeschrieben von Egoliquida)


Ich bin ja ein Dystopien-Junkie und bin richtig enttäuscht.


Enttäuscht von:

Das letzte Zeichen

"Ich habe dir vertraut. Mehr als irgendjemanden sonst. Es war mir egal, ob sonst noch jemand auf der Welt war, solange nur da warst. Und jetzt... jetzt erfahre ich, dass du meinen Bruder geküsst hast?" (S.256)




Autor: Gemma Malley
Verlag: cbt
Seiten: 350
Preis: 8,99 € (Taschenbuch)
Genre: Dystopie
Reihe: 1. Band von 3





Worum geht's?

Evie, die in der Verwaltung arbeitet, lebt in einer Stadt, die von Mauern umgeben ist und in der alle Bewohner den "Bruder" unterstehen und einem Rang (A-D) zugeteilt werden. Obwohl sie Raffy liebt, ist sie mit der guten Partie Lucas, seinen Bruder, verlobt. Dann geschieht es: Raffy soll ein "K" werden - das Zeichen, dass für den Tod steht.

Meine Meinung:

Erwartungen, die ich allgemein an Dystopien habe:
  • Einzigartiges, durchdachtes, detailliertes Setting, das eine dichte Atmosphäre erzeugt
  • Starke Charaktere
  • Spannender, überraschender Plot
  • Allgemein wenig Kitsch
  • Themen werden angesprochen, die mich nachdenklich stimmen
  • Emotional werde ich von den Szenarien berührt

Spezielle Erwartungen an "Das letzte Zeichen":
  • mindestens so qualitativ hochwertig, wie die andere Dystopie der Autorin (Der Pakt), d.h. eine, durch sehr gut gezeichnete Charaktere getragene Dystopie

Erwartungen erfüllt?
Nein!
Und ich bin wütend, denn Gemma Malleys andere, einige Jahre ältere, Dystopie hat mir durchschnittlich gut gefallen.
Deshalb kommt es mir so vor, als ob sie schnell dieses Buch "hingeklatscht" hat, um im Dystopienzeitalter nochmal mitzumischen.

Die Charaktere:
Die sind absolut unter allem Niveau. Evie ist derart naiv und mit Minderwertigkeitskomplexen behaftet, dass sie nur durch drastische Familiengeheimnisse sich von der Schlechtigkeit des Systems überzeugen lässt. Ich konnte folglich keinerlei Beziehung zu ihr aufbauen. Und was wäre passiert, wenn diese Familiengeheimnisse nicht existiert hätten? Wäre sie dann wieder ins Bett gegangen und hätte ihr ödes Leben weitergelebt? Ich bezweifle es nicht.

Ihr Freund Raffy dagegen hat mich nur aufgeregt. Er ist derart eifersüchtig, aufbrausend, nervig und gemein zu Evie, dass ich ihn gerne eigenhändig den Hals umdrehen würde.
Als kleines Bonbon gibt es noch eine Dreiecksgeschichte. Von solchen kriege ich persönlich immer Würgereiz. Besonders, wenn es sich wie hier auch noch um den Bruder des Geliebten handelt.

Ich hatte zudem das Gefühl, dass die Charaktere seelenlos waren. Da war kein Funken, der zu mir übersprang und das ist bestimmt einer der Gründe, weshalb das Werk mir keinerlei Freude und Unterhaltung bot.

Der Plot:
Raffy wird als K deklariert.
Evie wird mühselig durch das Lüften von drastischen Familiengeheimnissen überzeugt zu flüchten.
Dann kommt es zu einer Flucht.
Sie treffen auf Rebellen.
Dann kommt es zum Sturm des Systems (den Ausgang bei noch zwei Folgebänden kann man sich ausrechnen).

Und dann ist das Buch zu Ende.

Ich muss zugeben, dass es nicht ideenlos war, aber aus diesen Bruchstücken wurde nichts gemacht, alles war unausgegoren. Ich habe nicht mitgefiebert oder mitgelitten. Ich habe nicht mal nachgedacht. Ich blieb den ganzen Emotionen, die die Ideen auslösen sollten, merkwürdig fern.

Das Setting:
Es gibt eine ummauerte Stadt, in denen Menschen überwacht und in Klassen eingeteilt werden, je nach ihrem Betragen.
Alles kurz beschrieben, sodass ich keinerlei Interesse an dem Schauplatz hatte.

Was ich bekommen habe:
  1. Durchschaubaren Plot, dem es logischerweise an Spannung mangelte
  2. Unausstehliche Charaktere, ohne Tiefe und ohne Seele (und zwar alle, da gab es keine interessante Nebenfigur)
  3. Emotional wurde ich nicht einmal berührt
  4. Nachdenklich macht mich dieses Werk nicht
  5. Dreiecksgeschichte und unromantische Liebesgeschichte
  6. Ödes Setting

Fazit

Man hätte aus einigen Ideen viel mehr rausholen können und das ärgert mich. Für mich wirkte das ganze Buch lieblos zusammengeschustert, wie ein Auftragswerk, bei dem die Autorin von Anfang an keine Lust hatte. Ich könnte jeden einzelnen Satz zitieren und man würde wahrscheinlich nichts extrem "schlechtes" sehen, aber als Gesamtes ist es sehr, sehr schwach. Eine Geschichte, die man schnell vergisst und an der ich lange las, weil ich für sie keine Motivation aufbrachte. 


Lesenswert? Nein!

Anmerkung: Ich habe einige Rezensionen gelesen, deren Fazit zu diesem Buch war, dass die Geschichte noch viel Potenzial hat. Ich sehe da nur Potenzial für die Folgebände, wenn die Protagonisten umgebracht werden und neue, facettenreichere und liebenswertere auferstehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür schätze ich mal auf 0%.^^ Egal was da noch kommen mag, bei derart seelenlosen und unsympathischen Charakteren kann daraus meiner Meinung nach nicht viel werden, bzw. auch alles Gute an der Story wird dadurch extrem abgeschwächt.

Beitrag von Egoliquida


Rezension: The Selection

"What do you think my chances might be of finding a soul mate in the group of you?" 
(S. 187)



Verlag: HarperCollins
Preis: 7,60 € (Taschenbuchausgabe)
Seiten: 327
Autor: Kiera Cass
Genre: Dystopie
Reihe: 1. Teil einer Trilogie
Sprache: Englisch (Let's read it in english 1/10)




Worum geht's?
In einer Welt, in der die unteren Kasten hungern, ist "The Selection" die Chance einer jeden jungen Frau. Die ausgewählten Damen kämpfen um das Herz des Prinzen.
America verlässt dafür nicht nur ihre gewohnte Umgebung, sondern auch ihren (Ex)Freund.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?:
Ich bin ja sonst nicht der typische Cover-Käufer, aber eine Dystopie, die so schön aussieht, musste ich aber haben. Vorsichtshalber habe ich es aber nur in der Taschenbuchausgabe gekauft.

Erwartungen an das Buch:
Bei "The Selection" war Unmut eigentlich schon vorprogrammiert, denn ich hatte einige Rezensionen gelesen, die es als absolut oberflächlich beschrieben.
In etwa wie "Topmodel-Serie als Dystopie". Nun muss ich zugeben, dass ich nicht nur Dystopien mag, sondern auch die absolut oberflächliche Sendung "Germany's next Topmodel" mit der nervigen Moderatorin.
Mit wenigen Erwartungen stürzte ich mich ans Werk und war dennoch nicht gewappnet für diese desaströse "Dystopie".

Erwartungen erfüllt?
Das Dumme ist: Es will weder das eine noch das andere sein und am Ende ist es einfach gar nichts.

Als Dystopie verfehlt es seinen Sinn durch ein absolut undurchdachtes, bis völlig einseitiges Setting und eindimensionale wie widersprüchliche Charaktere.
Zum einen ist da der Prinz, der keine Ahnung hat, was in seinem eigenen Land vorgeht und von America aufgeklärt werden muss, aber andererseits wählt er ganz strategisch Favoriten aus, weil diese z.B. besondere Kontakte zu wichtigen Nachbarländer haben sollen.
Es kam mir so vor, als ob seine Intelligenz immer ein- und ausgeschaltet wurde, wie es der Autorin gerade passte.

Auch Americas (Ex)Freund ist in seinem Verhalten derart blöd und dadurch verletzend, dass er wunderbar zu der Protagonistin, das naive Dummchen mit dem riesen Herzen (immer um das Leben ihrer Kammerzofen bemüht), passt. Tatsächlich ist es America, die dem ganzen die Krone aufsetzt. Ständig wird sie als so "herzlich", "selbstlos" und "bescheiden" dargestellt, aber auf eine derart verquere Weise, dass gerade mir das Gegenteil wahrer vorkam.
Zum Beispiel gab es die Szene, wo sie etliche Glückwünsche annimmt und Autogramme gibt und den Lesern als so herzliches und einnehmendes Wesen dargestellt wird. Nur leider wird im Nebensatz erwähnt, dass die anderen Mädchen 20 Minuten auf sie warten mussten.
Oder ihr wirklich richtig armer Freund, der nicht mal genug zu Essen hat, schenkt ihr Geld und sie nimmt es an, obwohl sie davon weiß. Aber was gibt es denn schöneres, als solche Liebesbeweise, die auch noch so nett klimpern können?
Ich könnte ewig so weitermachen, aber dann würde ich zu viel spoilern.

Gut, als Dystopie ist die Idee einfach viel zu schwach, als eine Art Castingshow fällt es aber ebenso durch, da die Mädels nicht viel im Wettbewerb stehen, bzw. durch die eingeschränkte Perspektive von America man gar nicht mitbekommt, warum nun die anderen vom Prinzen rausgewählt werden. Dazu bekommt man nicht alle Namen der Damen gesagt, nur sehr wenige werden etwas näher vorgestellt, sind aber natürlich nur Klischees, da gibt es "die Gemeine" und "die nette Freundin" und "die Stille" etc.pp.
Gerade weil so wenige näher charakterisiert wurden, hätte man das besser lösen können.
Zudem empfand ich es als großes Manko, dass es so oberflächlich bzw. unrealistisch kritisch war.
Im Sinne von: Der Prinz hat sein ganzes Leben noch nie davon gehört, dass in seinem Land mit acht Kasten Hunger herrscht. Er ist natürlich derart entsetzt darüber, dass er sich gezwungen fühlt, zu helfen.
Diese Aktionen empfand ich als so merkwürdig gestelzt, die konnte ich einfach nicht Ernst nehmen.

Dennoch muss ich sagen, hatte das Werk einen gewissen Unterhaltungswert. Kennt ihr das, wenn ihr so richtig schlechte Schauspieler sieht und euch darüber schlapplachen könnt? So ging es mir mit Plot und Protagonisten jedenfalls. Das Setting ist einfach nicht der Rede wert; die Hintergrundgeschichte wird auf einer halben Seite abgehakt.
Doch ich muss sagen, ich habe befürchtet, dass ich in Kitsch ertrinken würde, von wegen "seine Augen sind grüner als die saftigste Wiese", aber das war nicht schlimmer, als in anderen Jugendbüchern.

Auch muss ich positiv anmerken, dass der Schreibstil schön einfach war, sodass jemand wie ich, die nie gut in Englisch war, gar keine Probleme hatte.

Fazit
Oberflächlicher Schmu, der Tiefgründigkeit vorheuchelt. Plot und Protagonisten sind lächerlich, ein wohldurchdachtes Setting ist nicht vorhanden. Unterhaltungswert durch Widersprüche und Klischee(charaktere) ist gegeben. Dieser ist auch das einzige Regalbrett, welches dieses Buch von mir erhält.

Trollbuch


Danach dachte ich, konnte es ja eigentlich nicht schlimmer werden, aber wartet einfach die nächste Kurzrezension meinerseits ab.

Beitrag von Egoliquida

Rezension: Welt aus Staub

"Die Kugel durchschlug Adams Fuß mitsamt den Dielenboden." (S. 62)





Verlag: Ueberreuter
Preis: 16,95 € (broschiert)
Seiten: 396
 Autor: Stephan R. Bellem
 Genre:  Dystopie
 Einzelband






Worum gehts?

Während die Prostituierte Tessa und die Schmugglerin Elaine, die nach noch lebenden Pflanzen sucht und sie verkauft, sich durchs Leben schlagen müssen, ist Sam als Ingenieur höher gestellt und plant eine oberirdische Plantage, die die Menschen endlich wieder die Pflanzen zurückbringen soll, welche allesamt von einem Pilz dahingerafft werden.
Als Sams Freund sich umbringt, stecken alle drei in einer einzigen Misere.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich habe es auf Blogs gesehen und in meiner "Ich lese nur noch Dystopien"-Zeit gekauft. Sehr lange habe ich es nicht gelesen, denn ich bin nicht der große Fan vom Schauplatz Wüste.

Erwartungen an das Buch?
Menschen wollen die Pflanzenwelt retten und suchen in der Wüste nach besonderen Exemplaren, oder so.^^
Ich hatte keine großen Vorstellungen, nur wusste ich, dass es vielleicht etwas rauer und brutaler zugehen könnte, da es eine Dystopie für Erwachsene ist.

Erwartungen erfüllt?
Es ist kein Buch, das in der Wüste spielt. Es ist überhaupt ganz anders geworden.

Zu Anfang hat mir das Buch gut gefallen.
Neugierig machte mich der Prolog und die verschiedene Perspektiven, von ganz unterschiedlichen und überhaupt nicht öden Protagonisten, begeisterten mich. 
Da gab es die knallharte Schmugglerin Elaine, die Männer umlegen muss, um Geschäfte zu machen.
Die Prostituierte Tessa, mit der ich in den ersten Szenen sehr mitfühlen konnte.
Sam, aus deren Sicht man auch mal die Oberschicht betrachten konnte.

Kleine Details aus der Megastadt, wie der Plastikparkettboden, welcher alle Woche mal nach Kiefer, mal nach Pinie roch, fand ich interessant.
Wie man am obigen Zitat erkennen kann, ist die Geschichte stellenweise sehr brutal, aber das passte zu dieser Zukunftsvision und hat mich nicht allzu sehr gestört.

Aber dann kam die Wende bzw. zusätzlich noch die Ernüchterung.

Aus einer Dystopie wird ein Kriminalfall.
Gut, das wäre noch zu verkraften gewesen, aber der barg für mich keine Überraschungen.
Da es nur einen sehr eingeschränkten Personenkreis gibt, bzw. die drei Erzähl-Perspektiven konnten es alle nicht sein, war mir von Anfang an klar, wer der Täter ist. Enttäuschend.
Zudem fand ich die "Beute", vollkommen unrealistisch, aber da würde ich leider zu viel spoilern.

Dann fand ich die Entwicklung von der Prostituierten Tessa merkwürdig. Sie hat jahrelang auf dem Strich gearbeitet, aber sie wurde nach den ersten guten Szenen als verschüchtertes Mädel dargestellt, das kaum einem Mann eine Pflanze verkaufen kann. Lächerlich.

Als ich dann auch noch mitbekommen habe, dass es auf der ganzen Welt (!) keine Pflanzen mehr geben soll, abgesehen von unterirdischen Plantagen, war die gesamte Zukunftsvision unglaubwürdig und ein schlechter Witz.
Überhaupt wurden Pflanzen im gesamten Buch nur als "Dekoobjekt" und "Duftspender", höchstens noch als "Nahrungszulieferer" wertgeschätzt. 
Dass Pflanzen unseren Sauerstoff produzieren, sie absolute Wasserspeicherungsanlagen sind, und es ohne sie  zu gigantischen täglichen Naturkatastrophen käme, wurde mit keinem Wort erwähnt.
Das hat mich tierisch verärgert! Das ist einfach, argh... der für mich größte Reinfall.
Seien wir doch mal ehrlich, wir atmen Sauerstoff und essen pflanzliche Produkte und Tiere, die wiederum  von pflanzlichen Stoffen ernährt werden. Wenn die Pflanzen sterben, stirbt alles, außer vielleicht Einzeller, oder so...

Zudem ist die Nahrung für die Bewohner sehr stark rationiert und was gibt es? Mais und Hühnchenfleisch.
Niemals, niemals würde man, wenn die Lebensmittelversorgung so am Ende ist, Fleisch produzieren. Denn mit der Menge an Mais, die die Hühner fressen, könnte man vielfach mehr Menschen versorgen, als mit dem kümmerlichen Endergebnis an Fleisch. Das ist die Energiepyramide! Hühner verbraten für ihren Stoffwechsel viel mehr Energie, als am Ende sie im Körper haben und verbrauchen auch noch eine Menge kostbares Wasser.

Deshalb sollten wir auch in der heutigen Zeit nicht jeden Tag Fleisch essen, da in anderen Ländern die Futterpflanzen als Lebensmittel gebraucht werden. Falls sie dort wirklich ankommen würden, aber das nur so am Rande...

Das ganze Dilemma bekam mit dem Schreibstil noch die Krone auf. Es wurde einfach zu viel gesagt, was man als Leser eh bemerkt, z.B. wenn Tessa mehrmals nur mit "Ja" antwortet, brauche ich keinen Hinweis, wie schrecklich monoton ihre Antworten sind, bzw. gab es Dutzende von Füllwörtern und Ergänzungen, wie: "offensichtlich", "scheinbar" etc.

Ach, und es gab einen Epilog, bei dem ich nur noch entnervt das Buch zuklappte.

Fazit
Eine recht spannende Dystopie mit teilweise netten Ideen, aber riesigen Logiklücken und wenigen Überraschungen.
Insgesamt vergebe ich für die Protagonisten ein Regalbrett und für den Anfang der Geschichte, bis zu dem Beginn des Kriminalfalls (ca. S.170) eine Regalebene. Das unglaubwürdige Setting bekommt kein Regalbrett.


Bescheiden


Beitrag von Egoliquida

Rezension: Schöne neue Welt

"Am anderen Ende des Saales war ein Lautsprecher angebracht. Der BUND ging zu ihm hin und drehte einen Knopf. "-tragen alle Grün", begann eine leise, ungemein klare Stimme mitten im Satz, "und Deltakinder tragen Khaki. Nein ich mag nicht mit Deltakindern spielen."(S.42)




Verlag: Fischer
Preis: 7,90 € (Taschenbuch)
Seiten: 253
 Autor: Aldous Huxley
 Genre: Utopie/Dystopie
 Einzelband





Worum gehts?

Menschen werden nur noch gezüchtet. Stolz ist man darauf, nicht nur ein Kind oder Zwillinge aus einem befruchteten Ei herzustellen, sondern Dutzendlinge. So können gleich bis zu 96 völlig identische Geschwister auf einmal entstehen und zusammen später, nach entsprechender Normung, in einer Fabrik arbeiten. 
Sigmund Marx, ein Mann der höchsten Kaste (Alpha-plus) ist einer von wenigen Bürgern, die überhaupt vom Staat mir der eingeschränkten Fähigkeit zum freien Willen ausgestattet wurden und fühlt sich zunehmend im System unwohl. Sein Leben ändert sich, als er den "Wilden" Michel in die Zivilisation einführt.


Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich hatte es in der Zeit, wo ich nur noch Dystopien las (26 Werke stehen in meinem Bücherregal^^), auf meinem rebuy-Wunschzettel gepackt und es schließlich kürzlich für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch mitsamt zehn anderen Büchern ergattert.

Erwartungen an das Buch?
Ich erwartete eine beunruhigende Dystopie, befürchtete aber wieder einen Flop, wie bei "Fahrenheit 451", das mich sehr enttäuschte.

Erwartungen erfüllt?
Übertroffen! :D
Huxleys Welt ist beunruhigend, bietet daneben sehr viel Tiefe, Ideenreichtum und zusätzlich noch Humor.

Während andere Jugenddystopien Horrorszenarien durch schockierende Brutalität erschaffen, ist Huxleys Zukunftsvision von einem ruhigen steten Grauen gekennzeichnet, das besonders wirkt, da die Ideen und Welten nicht weit hergeholt sind.

Es gibt mehrere Protagonisten, deren Perspektiven unregelmäßig wechseln und nicht gleichmäßig aufgeteilt sind. Überraschenderweise empfand ich das nicht als störend, sondern unumgänglich, um nicht nur eine eingeschränkte Sichtweise auf diese Utopie/Dystopie zu haben.
Schon bei den Namen bemerkt man Huxleys Schwäche für Anspielungen. Da die deutsche Übersetzung die gesamten Orts- und Personennamen eindeutscht, stimmen sie mit dem englischen Original (Brave New World) nicht überein, beinhalten aber dennoch deutliche Anspielungen: Sigmund Marx, Lenina Braun, Ford etc.

Überhaupt beinhaltet das Werk sehr viele Parodien bzw. satirische Momente, die ich lustig und gleichzeitig erschreckend fand, da die armen, in der "Flasche" (künstliche Brutstätte) entstandenen Menschen, ja gar nicht bzw. nur stark eingeschränkt die Fähigkeit besitzen, über die Dinge zu reflektieren, besonders da jeder eine Art Gehirnwäsche (Normung) siehe obiges Zitat bekommt. Ein Beispiel  dafür ist folgendes Tanzlied, das auf die Entstehung des Menschen in der Flasche anspielt und zu dem sich vierhundert Paare im Saal bewegen:

Von dir mein Fläschchen, träum ich
Tag und Nacht.
Warum hat man dich jemals
Aufgemacht?
Der Himmel war blau,
das Klima so lau,
Ich kenn keinen einzigen Ort,
Der mir besser gefällt
Als du, mein allersüßestes 
Fläschchen der Welt.
(S. 87)

Ich war in solchen grotesken Szenen immer zwischen lachen und entsetzt sein, denn der Umstand, dass sie vom Staat nach deren Wünschen produziert werden, hat natürlich seine negativen Folgen und ist an sich schrecklich.


Oder diese Szene aus der "Eintrachtsandacht":

Ford, wir sind zwölf, o mach uns eins
Wie Tropfen im Gemeinschaftsquell;
Laß laufen uns im Strom des Seins
Schnell wie dein 12-PS-Modell!
(S.91)


Die Geschichte hat mich gepackt, da sie so realistisch geschrieben ist, dass sie fast absurd merkwürdig wirkt. Allein die Sprache! Ständig rezitieren die Protagonisten und Nebenfiguren von den tief im Unterbewusstsein verankerten, tausendfach vom Band abgespulten, Lehrsätzen wie: "Ein Gramm versuchen, ist besser als fluchen!"(S.76 Anspielung auf eine schleichend giftige Glücksdroge) oder "Je bedrückter, je verstockter, desto nötiger der Doktor!"(S. 187)
Obwohl all das sehr eigenartig war, konnte ich mit den Menschen mitfühlen und vergebe für die Protagonisten, die alle echt und nicht plötzlich heldenhaft waren, eine Regalebene.

Die Story hat den Augenmerk, dieses System zu beschreiben. Da ich Zukunftsvisionen äußerst interessant finde, war das genau nach meinem Geschmack. Schon in "Die Auswahl" waren diese Beschreibungen der fremdartigen Welt meine Lieblingsszenen.
Besonders toll fand ich, dass Huxley nicht nur erzählt, welche Kuriositäten es in den verschiedenen Lebensbereichen (Freizeit, Arbeit, Sexualleben etc.) gibt, sondern sie auch richtig zeigt, sodass man diese sich auch lebhaft vorstellen konnte. Für das Setting gibt es deshalb auch herausragende zwei Regalbretter.

Inhaltstechnisch passiert nicht allzu viel, aber was passiert, besonders am Ende, hätte ich so nicht erwartet, glaube aber den tieferen Sinn dahinter zu erahnen und finde es deshalb ziemlich genial. :D
Dennoch hätte man den Plot viel weiter ausführen können und und ich vergebe daher eine solide Regalebene.
Es ist auf jeden Fall nicht der typische "Wir stürzen das System"-Plot.

Wie ich schon angesprochen habe, haben viele Dinge im Buch einen tieferen Sinn, sind geradezu philosophisch, und so etwas liebe ich, denn ich mag es, wenn ein Buch mich nachdenklich macht, ohne dass es mir eine Meinung aufzwingen will. Dafür gibt es einen Zusatzpunkt. Wie man an den vielen Zitaten erkennen kann, liebe ich den Humor in dem Buch, sodass es dafür auch eine zusätzliches Regalbrett gibt.

Fazit
Endlich eine Dystopie, die mich überzeugt hat!
Es gibt ein faszinierende und gleichzeitig verstörendes Zukunftsbild mit realistischen Protagonisten, die nicht plötzlich ein jahrhundertealtes System stürzen können. Zusätzlich bietet "Eine schöne Welt" viele Anregungen zum Nachdenken (z.B. wann sind Menschen glücklich? Ist ständiger Wissenszuwachs für ein Gesellschaft wirklich förderlich? Kritik an der Konsumgesellschaft) und das gewisse Etwas an satirischem Humor.
Summa Summarum vergebe ich für Plot und Protagonisten eine Regalebene. Für das völlig überzeugende Setting zwei und zusätzlich je eine für Humor und eine für die tiefgehenden Gedankenspiele.


Es gibt ein vollständig ausgefülltes Herz! Ein neues Lieblingsbuch für mich, das ich bald nochmal lesen muss, da ich nicht hundertprozentig alle Anspielungen verstanden haben kann, da es einfach viel zu viele sind.


Ohnegleichen


Kennt ihr weitere Dystopien bzw. Utopien die mir gefallen könnten? 

Gelesen habe ich: "Seelen", "Diktatur der Stille", "Hüter der Erinnerung", "Lauf gegen die Dunkelheit", "Bar Code Tattoo", "Fahrenheit 451", "Totentöchter", "Die Bestimmung", "Delirium", "Godspeed", "Starters", "Sternenfeuer", "Dark Canopy", "Worldshaker", "Der Report der Magd", "Zweiunddieselbe", "Der Pakt", "Das neue Buch Genesis", "Skinned", "Die Auswahl und Die Flucht", "Dustlands" und "Girl Parts-Auf Liebe programmiert", "Die Tribute von Panem 1-3".

Als E-Book habe ich gelesen :"The Sign- Nur zu deiner Sicherheit" und "Stadt der verschwundenen Kinder"+"Stadt der verlorenen Träume".


Beitrag von Egoliquida

Rezension: Dark Canopy



"Das erste Wort, das ich nach schier endloser Zeit zu hören bekam, war: "Stufe". " 
 (S. 91)




Verlag: Script 5
Preis: 18,95 (gebunden)
Seiten: 525
Autor: Jennifer Benkau
Genre: Dystopie
 Reihe: 1. von 2 Bänden


Worum gehts?

Protagonistin Joy lebt in einen der Clans der Menschen. Diese und das ganze Land werden beherrscht von den Percents, von Menschen erschaffene Soldaten. Die Percents verdunkeln den Himmel, da sie empfindlich auf UV-Strahlung reagieren und entführen Menschen, um sie für ihre Zwecke auszunutzen.

Meine Meinung:

Wie bin ich auf das Buch gekommen?
Ich hätte es schon fast vorbestellt, aber Wörter wie "Soldaten" und "Krieg" haben mich davon abgehalten, obwohl ich Dystopien liebe. Aber viele gute Rezensionen hatten dann meine Aufmerksamkeit geweckt und auf der Leipziger Buchmesse musste ich mir es einfach mitnehmen.

Erwartungen an das Buch?
Eine spannende Geschichte über eine Welt, die im Krieg ist.

Erwartungen erfüllt?
Ja, das Buch ist spannend und fesselnd, aber charakteristisch ist eher das Wort düster. Diese Dystopie war für mich bedrückend. So beklemmend, dass ich mehrmals aufhören musste zu lesen und einen lustigen Liebesroman begann. Andererseits habe ich den Liebesroman noch nicht beendet, während ich Dark Canopy mit Pausen dazwischen geradezu verschlang. Ich bin irgendwie hin und hergerissen. Dark Canopy hat mich gefesselt und gleichzeitig hatte ich danach ein Gefühl wie Bauchschmerzen.

Der Plot, oberflächlich betrachtet, ist nicht besonders raffiniert. Ein Rebellenmädchen wird von Percents entführt, aber kommt ihren zunächst brutalen Trainer für die "Menschenjagd" näher.
Die einzelnen Personen, ihre jeweiligen vielschichtigen Hintergründe und überraschenden Aktionen, dazu die vielen Details der Welt, die man nicht in gut und böse vorschnell einteilen sollte, machen die Geschichte erst einmalig spannend, aber auch düster. Leider kann ich dazu nicht näher eingehen, denn dann würde ich spoilern. Zwei Regalböden für den spannenden und fesselnden Plot.

Die Geschichte wird in zwei Perspektiven geschrieben. Einmal die von Joy und die von Matthial, einem Freund von Joy aus dem Clan. Letztere Perspektive, fand ich überflüssig und hat meiner Meinung nach, das Buch eher schlechter gemacht, denn der Junge war mir unsympathisch und hat die Geschichte eher in die Länge gezogen.
Humor gibt es in diesem Buch sehr wenig, auch nach auflockernden Szenen kann  man nur ein, zwei finden, bei 525 Seiten wohlgemerkt. Die Personen sind fast alle entweder brutal oder (bzw. und) völlig am Ende, körperlich wie seelisch. Bei Joy findet man zeitweise alles beisammen. Ich konnte mich einfühlen in sie, aber sympathisch war sie mir nur bedingt.
Keiner, egal ob Mensch oder Percent hatte irgendwelche Anzeichen von Glück oder Zufriedenheit. Ich bin nicht der große Fan von Bücher, die gezwungen lustig sind, aber gezwungen düster, ist unerträglich.
Dagegen scheint Jennifer Benkau alles so real wie nur möglich beschreiben, da gibt es Schwangerschaften, Sex, Urin, Vergewaltigung etc. Für mich gehört Humor und Hoffnung aber zum Leben der Menschen, wie das Essen und Schlafen und war meiner Meinung nach zu gering vertreten.
Der dritte Protagonist ist Neél, ein Percent. Und dieser junge Soldat war mir doch im späteren Verlauf einigermaßen sympathisch, da er sich entwickelt. Viele Nebencharaktere sind auch interessant. Für die Protagonisten gibt es einen Regalboden von mir.

Die Welt konnte ich mir vorstellen mit den heruntergekommenen Gebäuden, wo ganzes Fensterglas selten ist. Andererseits "Dark Canopy" eine Art Hülle aus Gesteinsstaub von den Percents, die sich dadurch vor der Sonne schützen, da sie den Himmel verdunkelt, war mir suspekt. Wie kann die Vegetation mit nur zwei Sonnenstunden noch existieren? Müssten nicht gewaltige Veränderungen die Folge sein? Und wieviel sieht man dann überhaupt noch? Auf diese Fragen wurde wenig eingegangen, deshalb nur ein Regalboden von mir für das nur teilweise gelungene Setting.

Den zweiten Band werde ich mir kaufen, denn das (wer hätte das gedacht?) düsterne Cliffhanger-Ende und die Entwicklung dieser dystopischen Welt machen mich doch neugierig. Insgesamt vergebe ich nur drei Regalböden, denn ich werde für die extreme Düsternis, die mir persönlich zu viel war, einen Regalboden abziehen.

Naja, Geschmackssache





Rezension von Egoliquida